Himeji und die Burg des weißen Reihers

Um nach Himeji, dem nächsten Etappenziel meiner Rundreise, zu kommen, nutzte ich eine Art Regionalexpress. Der ist sehr preiswert, dafür natürlich langsamer als der Shinkansen. Aber ich hatte für Himeji eh einen ganzen Tag eingeplant. Also sprach nichts dagegen und unterwegs konnte ich ein wenig die Landschaft genießen. Nach anderthalb Stunde Fahrt erreichte ich das Ziel. Und da offenbarte sich auch schon der erste Blick direkt vom Bahnhof auf die berühmte Burg von Himeji.

Die Burg Himeji vom Bahnhof aus gesehen
Die Burg Himeji vom Bahnhof aus gesehen

Das Wetter war jedoch bescheiden. Der erste richtige Regentag seit ich vor mehr als vier Wochen in Japan ankam und das ausgerechnet heute. Aber nun ja, zunächst wollte ich mir die Burg von innen ansehen. Vielleicht hatte ich später mehr Glück für ein paar Fotos mit Sonne, blauem Himmel und Burg.

Die Burg von Himeji – Die Burg des weißen Reihers

Die Burg Himeji ist eines der ältesten erhaltenen Bauwerke des 17. Jahrhunderts in Japan. Die ersten Gebäude der Burg wurden während der Muromachi-Zeit um 1346 erbaut. Die mit der Übernahme der Burg in 1580 durch Toyotomi Hideyoshi verbundene Erweiterung, unter anderem durch den Bau dreistöckiger Burgtürme, gilt als eigentlicher Baubeginn.

Nach der Schlacht von Sekigahara fiel die Burg an Tokugawa Ieyasu, der sie kurz danach Ikeda Terumasa überließ. Dieser erweiterte die Anlage innerhalb einer achtjährigen Bauzeit von 1601 bis 1609 mit typischen Elementen aus der Momoyama-Zeit zu ihrer heutigen Form. Dabei errichtete er auch das sechsstöckige Hauptgebäude Donjon. Dieser wird von drei kleineren Donjons flankiert. Die letzte größere Erweiterung der Burg wird auf das Jahr 1618 datiert.

Die Anlage, die insgesamt 38 Gebäude und 20 Türme zählt, gilt als das schönste Beispiel japanischen Burgenbaus. Der Beiname „Burg des weißen Reihers“ ist eine Anspielung auf ihre weißen Außenmauern und Dächer. Aus der Ferne erscheint ihre weiße Silhouette wie ein graziöser Reiher. Trotz ihrer hinreißenden Architektur, z. B. des spiralförmigen Grundrisses, gilt sie mit ihren hochentwickelten Wehranlagen als uneinnehmbar. Niemand wagte es, die gut befestigte und 46 Meter hohe Anlage anzugreifen. Sie zählt zu den Nationalschätzen Japans und seit 1993 zum Weltkulturerbe der UNESCO. Zwischen 2010 und 2015 wurde sie umfassend renoviert, sodass ihre Dächer wieder hell erstrahlen.

Hishi no Mon (Hishi Tor)

Hishi no Mon (Hishi Tor) in der Burg von Himeji
Hishi no Mon (Hishi Tor) in der Burg von Himeji

Die meisten Besucher des Himeji-Schlosses betreten wie ich das Schloss über das Otemon-Tor in dem kostenlos zugänglichen dritten Burghof (Sannomaru). Der Sannomaru enthält einen großen, von Kirschen gesäumten Rasen und ist ein beliebter Ort für die Aufnahme von Fotos von der Burg und für die Betrachtung Kirschblüten. Eine Kasse befindet sich am hinteren Ende des Burghofs, wo das Hishi Tor den Eingang zum bezahlten Bereich markiert. Hier gibt es auch Schließfächer für Tagesgepäck, die deutlich günstiger (200 Yen) als die am Bahnhof sind.

Die Burg von Himeji
Die Burg von Himeji

Konstruktion des Hauptturms

Der labyrinthartige Zugang vom Hishi-Tor zum Hauptturm führt entlang von Mauerwegen und durch mehrere Tore und Burghöfe mit dem Ziel, angreifende Kräfte zu verlangsamen.

Schnitt aus östlicher Sicht der Burg von Himeji
Schnitt der Burg aus östlicher Sicht
Die Burg von Himeji
Die Burg von Himeji

Im Herzen der Anlage steht der Hauptturm Donjon, eine sechsstöckige Holzstruktur, die von zwei zentralen Holzpfosten im Zentrum gestützt wird. Die Pfosten sind ca. 25 Meter lang, haben an der Basis einen Umfang von rund 95 Zentimetern und sind aus jeweils zwei Teilen zusammengesetzt. Vor der Restauration in der Showa-Periode (1926-1989) hatte sich der Ostpfeiler bereits 3,7 Zentimeter auf den Westpfeiler zubewegt. Bereits während der Edo-Periode begann der Ostpfeiler unter der enormen Last, die er zu tragen hatte, nachzugeben.

Zahlreiche Renovierungen musste die Anlage über sich ergehen lassen, 1910, 1934, 1956 und zuletzt 2015, um ihrer ganzen Schönheit erhalten zu bleiben.

Die Burg von Himeji
Die Burg von Himeji

Überall bieten sich sensationelle Aus- und Einblicke. Mit jedem weiteren Gang, den man im schneckenhausähnlichen Inneren betritt, finden sich Schießscharten in den Mauern oder Fenster im Hauptturm, von denen man mit zunehmender Höhe immer weiter auf Himeji und die Umgebung blicken kann.

Die Burg von Himeji
Die Burg von Himeji

Bereits mehrfach diente die Burg als Filmkulisse internationaler Produktionen, z. B. in James Bond „Man lebt nur zweimal“ als Trainingslager der Ninjas, in James Clavells „Shogun“ unter dem Namen Burg von Osaka und auch im Film „Last Samurai“ mit Tom Cruise.

Der Westhof Nishinomaru Yaguragun

Nach dem ich die Burg in aller Ruhe angesehen hatte, schaute ich mir noch Nishinomaru Yaguragun, den Westhof, an. Dieser wurde angelegt, damit Tadatoki Honda und Prinzessin Sen ihre Zeit gemeinsam genießen konnten, und stellte den damals schwächsten Teil der Burg dar. Um diesen zu schützen, wurden die Strukturen darin verstärkt, bspw. mit robusten Fenstern, Türmen mit Öffnungen, aus denen man Steine auf Angreifer herabfallen ließ, und schweren Holztüren zur Abriegelung der Gänge. Im Süden des Westhofs versammelten und formierten sich aber auch die Truppen bevor sie in die Schlacht zogen. Von den Fenstern in den mehr als zweihundert Meter langen Gängen hat man des öfteren schöne Ausblicke auf den Hauptturm.

Die Burg ist atemberaubend schön und ein Meisterwerk japanischer Burgbaukunst. Am späten Nachmittag, nach dem ich nach der etwa fünfstündigen Besichtigung eine Pause eingelegt hatte, riss der Himmel auf und die untergehende Sonne ließ die weißen Außenmauern erstrahlen. So kam ich doch noch zu meinem Foto mit der Burg, Sonne und blauem Himmel. Dafür hatte sich das Warten gelohnt.