Kamakura – Machtzentrum unter Minamoto Yoritomo

Kamakura ist eine ca. 50 km südwestlich von Tokio an der Sagami-Bucht gelegene Stadt, die an drei Seiten von Bergen umgeben ist. Die vierte Seite wird vom Pazifik eingenommen. Das war auch ein Grund für die Blüte der Stadt, da sie durch ihre Lage ideal vor Angriffen feindlicher Armeen geschützt war. Sie wurde unter Minamoto no Yoritomo im Jahr 1185 zum Regierungssitz Japans und damit de-facto Hauptstadt und behielt diese Stellung bis 1333 bei.

Hauptanziehungspunkte für viele in- und ausländische Touristen sind die zahlreichen gut erhaltenen Tempel und Schreine aus jener Epoche. Auch Kamakuras Strand ist ein beliebtes Ausflugsziel, wenn gleich dieser nicht mit karibischen weißen Sandstränden mithalten kann.

Die Stadt hat zwar über 172.000 Einwohner, ist aber mehr Dorf als Stadt. Die meisten Häuser haben nicht mehr als zwei Geschosse und auch das Straßenbild zeigt sich eher dörflich. Die Geschäfte scheinen noch traditionellen Ursprungs zu sein, denn die üblichen Ketten haben sich hier noch nicht ausgebreitet. Lediglich um den Bahnhof finden sich die üblichen Verdächtigen (McDonalds, Starbucks)

Um nach Kamakura zu kommen, bin ich von der Metro-Haltestelle Shimbashi in die Yokosuka-Linie gestiegen und war nach ca. einer knappen Stunde Fahrt an der Kita-Kamakura-Station. Hier liegen direkt die ersten drei Schreine und Tempel in unmittelbarer Nähe: der Engaku-ji, Meigutsu-in und der Tsurugaoka-hachimangu.

Engaku-ji Tempel

Der Engaku-ji ist der erste der vielen Tempel auf meiner Route durch Kamakura. Er wurde 1282 fertiggestellt. Ursprünglich war er für den chinesischen Chan-Mönch Lanxi Daolong vorgesehen, der aber das Bauende nicht mehr erlebte. Daraufhin wurde der Tempel den Opfern der Mongoleninvasion umgewidmet. Seitdem ist er einer der wichtigsten Tempel des Zen und der sino-japanischen Kultur.

Im Engakuji Tempel
Im Engakuji Tempel

Seine Shariden-Halle zählt zu den japanischen Nationalschätzen. Hier wird ein Zahn Buddhas als Reliquie aufbewahrt. Manchmal frage ich mich, wie viele Zähne Buddha gehabt haben muss. Ich war schon in so vielen Tempeln, die alle behaupteten, sie hätten einen Zahn Buddhas. Aber das ist eine andere Geschichte.

Im Engakuji Tempel
Im Engakuji Tempel

Jetzt in dieser Jahreszeit besticht das weitläufige Gelände des Engaku-ji mit seinen vielen herbstlich gefärbten japanischen Ahornbäumen, die in der Gunst der japanischen Fotografen ganz oben stehen. Mit Teleobjektiven mit Brennweiten, die zum Anzünden größerer Lagerfeuer genutzt werden könnten, wird jedem einzelnen verfärbten Blatt zu Leibe gerückt, bis endlich das perfekte Motiv gefunden ist. Das ist schon lustig anzusehen.

Meigutsu-in Tempel (明月院)

Der Meigutsu-in ist ein Rinzai Zen Tempel der Kenchō-ji-Schule. Er ist bekannt für seine Hortensien und wird deshalb auch „Hortensien Tempel“ genannt. Was sich lohnt hier anzusehen, ist der Tempel selbst mit seinem Rundfenster. Allerdings habe ich davon kein Foto, denn dafür hätte ich mich gut und gerne eine Stunde anstellen müssen. Denn bei dem schönen Wetter war ich leider nicht allein in Kamakura unterwegs. Gefühlt war halb Tokyo auf den Beinen.

Im Meigetsu-in Tempel
Im Meigetsu-in Tempel

Kenchō-ji Tempel (建長寺)

Dieser buddhistische Tempel wurde 1253 nach dem Vorbild chinesischer Zen-Tempel erbaut und gehörte zu den einflussreichsten Tempeln in ganz Japan, obwohl er mehrmals durch Brände und Erdbeben stark beschäftigt wurde. Der Kencho-ji war das erste Zen-Zentrum Japans und der erste offiziell anerkannte Zen-Tempel. Er hat rund 500 Zweigtempel in ganz Japan. Der Tempel steht im obersten Rang des Tempelrangfolgensystems des japanischen Zen-Buddhismus.

Die Anlage ist riesig. Betreten wird sie durch das gewaltige Haupttor Sammon.

Im Kenchoji Tempel - Haupttor Sammon
Im Kenchoji Tempel – Haupttor Sammon

Die Buddhahalle wurde 1647 von einem Tempel aus Tokio hierher gebracht. Hauptkultfigur ist Jizo, der Beschützer der Armen und Kinder. Zusammen mit dem Podest ist die Figur knapp 5 Meter hoch.

Im Kenchoji Tempel
Im Kenchoji Tempel

Tsurugaoka-hachimangu Schrein (鶴岡八幡宮)

Der Tsurugaoka Hachiman-gū ist der wichtigste Shinto-Schrein (was war noch mal der Unterschied zwischen Schrein und Tempel?) der Stadt Kamakura und der Präfektur Kanagawas. Ursprünglich 1063 nahe Yuigahama errichtet, verlegte Minamoto no Yoritomo den Schrein 1191 an den heutigen Ort.

Im Tsurugacha-hachimangu Tempel
Im Tsurugacha-hachimangu Tempel

Auf dem Weg zum nächsten Tempel begegnete ich einem älteren Japaner, der mich ansprach. Er erzählte mir, dass er Grafiker ist und bereits für die Frankfurter Messe Plakate und andere grafische Erzeugnisse angefertigt hatte. So kamen wir ins Gespräch, auch weil er sehr gut Englisch sprach. Da sieht man mal wieder, wie klein die Welt mittlerweile ist.

Hokoku-ji Tempel

Der Hōkoku-ji ist ein Zen Tempel, der für seinen Bambusgarten bekannt ist. 1334 wurde der „Bambustempel“ durch Tengan Eko gegründet. 1923 wurden große Teile Tempel durch das große Kantō Erdbeben zerstört. Der Großteil wurde wieder aufgebaut.

Im Hokokuji Tempel - bekannt für seinen Bambushain
Im Hokokuji Tempel – bekannt für seinen Bambushain

Der Bambusgarten wird durch über 2.000 Moso-Bambus-Pflanzen gebildet, die bis zu 12 Meter hoch sind. Das ergibt eine tolle Atmosphäre und schöne Fotomotive.

Daibutsu (鎌倉大仏)

Der japanische Begriff Daibutsu (大仏) bedeutet übersetzt „großer Buddha“ und wurde im Japanischen ursprünglich für Buddha-Statuen verwendet, deren Größe in etwa mindestens dem Doppelten der angeblichen Lebensgröße des historischen Buddhas entsprechen (> ca. 4,85  Meter). Heute werden damit nur die zwei berühmtesten bezeichnet:

Der Große Buddha in Kamakura ist 13,3 Meter hoch, hat ein 2,56 Meter langes Gesicht und die Augen sind jeweils einen Meter lang. Jede Augenbraue misst 1,24 Meter, der Mund 0,82 Meter und die Ohren sind 1,9 Meter lang. Die Statue besteht aus Bronze und wiegt etwa 120 Tonnen. Er wurde 1252 errichtet.

Der Daibutsu - Japans größter Buddha
Der Daibutsu – Japans größter Buddha

Der Daibutsu in Kamakura ist zweitgrößte seiner Art in Japan. Er wird in der Größe nur noch vom Daibutsu in Nara übertroffen.

Hase-dera Tempel (長谷寺)

Der Hase-dera ist einer der großen buddhistischen Tempel in Kamakura. Der Tempel ist für seine Kannon-Statue aus massivem Holz bekannt.

Er ist an einem Berghang errichtet. Die Gebäude liegen auf zwei Ebenen am Hang. Auf dem Weg zur oberen Ebene befindet sich ein Inari-Schrein, in dem man die Jizo-do und hunderte kleine Jizo-Statuen findet. Was es damit auf sich hat, findet ihr in dem Beitrag „Was Jizo und die Wasserkinder mit Familienplanung in Japan zu tun haben„.

Im Hasedera Tempel
Im Hasedera Tempel

Der Kannon-do befindet sich im oberen Teil der Anlage. Hier findet sich auch die bereits erwähnte Statue der Kannon. Eine Kannon ist im Mahayana-Buddhismus ein weiblicher Bodhisattva des Mitgefühls und eine der am meisten verehrten Figuren im ostasiatischen Buddhismus.

Im Hasedera Tempel
Im Hasedera Tempel

Links neben dem Kannon-do befindet sich ein Museum, in dem Fundstücke ausgestellt werden, die während der Restauration der Tempelanlage gefunden wurden. Etwas abseits links davon findet man einen kleinen Bambushain und das Kyōzō.

Im Hasedera Tempel
Im Hasedera Tempel

Es ist ein drehbares hölzernes Regal (Rinzo genannt), in dem die Sutras des Tempels aufbewahrt werden. Es wird gesagt, dass das Drehen der Kyōzō den gleichen Effekt hat wie das Lesen der Sutras.

Kyozo im Hasedera Tempel
Kyozo im Hasedera Tempel

Von der oberen Ebene bietet sich ein guter Blick über die Bucht von Kamakura.

Im Hasedera Tempel
Ausblick vom Hasedera Tempel auf die Bucht von Kamakura

Am Strand von Kamakura

Das Ende des langen und anstrengenden Tages verbrachte ich am Strand von Kamakura. Ich genoss die letzten wärmenden Sonnenstrahlen, nachdem ich fast den ganzen Tag kurzärmlig unterwegs war.

Am Strand von Kamakura
Am Strand von Kamakura

Es waren sicher an die 18 Grad, so dass ich bei dem ganzen Auf und Ab in den Tempeln ganz schön ins Schwitzen kam. Nach insgesamt über 17 Kilometer Fußweg konnte ich die Ruhe am Wasser gut gebrauchen. Aber das hat sich sehr gelohnt.

Meine Route durch Kamakura