Kurashiki – „Dorf aus Lagerhäusern“

Auf der Fahrt von Himeji nach Hiroshima legte ich einen Zwischenstopp in Kurashiki ein. Irgendwo hatte ich gelesen, dass der Ort als eine der wenigen Städte Japans über eine pittoreske Altstadt verfügt. Kurashiki bedeutet so viel wie „Dorf aus Lagerhäusern“.

Bedeutung erlangte die Stadt während der Edo-Periode (1603-1867), als sie ein wichtiger Umschlagplatz für Reis war, der in den Lagerhäusern entlang der Kanäle bis zur Verschiffung nach Osaka und Edo gelagert wurde. Die Kanäle verbanden die Lagerhäuser mit dem nahen Hafen. Auf Grund der immensen Bedeutung für den wichtigsten Rohstoff dieser Zeit unterstand Kurashiki auch direkt der Verwaltung des Shogunats.

Am Bahnhof war davon jedenfalls nichts zu sehen. Dort sah es aus wie in jeder anderen mittelgroßen Stadt, die ich bisher gesehen hatte. Industriebauten und die unvermeidlichen Shoppingcenter mit den üblichen Ketten. Immerhin hat auch Kurashiki rund 475.000 Einwohner.

Das Bikan Historical Quarter

Aber nur zehn Minuten vom Bahnhof in Richtung Südosten waren sie zu finden, die Lagerhäuser an einem alten Kanal, von denen ich gelesen hatte. Ein bisschen erinnert die Szenerie an Tönning in Schleswig-Holstein, nur auf japanisch.

Alter Kanal mit Lagerhäusern in Kurashiki
Alter Kanal mit Lagerhäusern in Kurashiki

Die Lagerhäuser beherbergen heute zumeist Museen, kleine Geschäfte und Restaurants. Heutzutage spielt eher die Textilindustrie ein Rolle, zumal sich Kurashiki in der jüngeren Vergangenheit als Produktionsstandort für Jeans einen Namen gemacht hat.

Weitere Sehenswürdigkeiten in Kurashiki

Das Ohara Museum of Art war das erste privat betriebene Museum der westlichen Kunst in Japan. Neben weltberühmten europäischen Meisterwerken wie der Verkündigung von El Greco und den Seerosen von Claude Monet zeigt das Museum eine Vielfalt von Werken von Stücken von Shiko Munakata und anderen japanischen Künstlern bis hin zu älteren Werken asiatischer und ägyptischer Kunst.

Des weiteren gibt es das Museum der Handwerkskunst, das in einem restaurierten Reisspeicher Keramik, Glas und andere kunsthandwerkliche Produkte ausstellt.

Den Zwischenstopp sollte man nur einlegen, wenn man wie ich genug Zeit mitbringt. Extra einen Tag dafür einplanen lohnt meiner Meinung nach nicht.