Kyoto – ehemaliger Sitz des Kaisers

Tag 1

Nijo-jo – Burg des Shoguns

Mein erster Tag in Kyoto beginnt kurz nach Sonnenaufgang. Als erster Programmpunkt steht die Burg des Shoguns, Nijo-jo, auf der Liste. Mit meinem Frühstück, einem Kaffee von meinem besten Freund 7-eleven (dort gibt es Bargeld, Kaffee und andere nützliche Dinge), sitze ich in den ersten Sonnenstrahlen des Tages und warte darauf, dass die Burg ihre Tore für die Besucher öffnet. Ist leider erst 8:45 Uhr der Fall, dafür bin ich aber einer der ersten.

Die Burg Nijo-jo in Kyoto bei Sonnenaufgang

Die Burg wurde von Shogun Tokugawa Ieyasu im Jahr 1601 in Auftrag gegeben und 1603 fertiggestellt. Sie diente als Residenz der Shogune während ihres Aufenthaltes in der Kaiserstadt und wurde entsprechend groß befestigt. Sie wurde jedoch kaum benutzt, da der eigentliche Amtssitz der Shogune in Edo lag, und war damit vor allem ein Machtsymbol des Shoguns in der Kaiserstadt.

Die Burg kann in drei Bereiche eingeteilt werden: den Honmaru (Hauptverteidigungsring), den Ninomaru (2. Verteidigungsring) und einige Gärten, die Honmaru und Ninomaru umkreisen. Das gesamte Burggelände und Honmaru sind von Steinmauern und Gräben umgeben.

Das Karamon-Tor in der Burg Nijo-jo in Kyoto

Als Besucher betritt man das Burggelände durch den nördlichen Eingang, da der östliche (Haupt)Eingang derzeit renoviert wird. Um zur Hauptattraktion der Burg, dem Ninomaru Palast, vorzudringen, passiert man das im chinesischen Stil angelegte Karamon Gate. Die verschiedenen Gebäudeteile des Palastes sind über Korridore miteinander verbunden. Wahlweise hört man ein Quietschen oder den Gesang der Nachtigall, wenn man sie durchquert. Möglich ist das durch eine spezielle Bodenarchitektur mit Nägeln und Hohlräumen, die es Eindringlingen unmöglich machen, unentdeckt in den Palast zu gelangen. Fotos sind im Palast leider nicht erlaubt, weswegen lediglich eine Beschreibung des Innenlebens folgt. Aber auf der Website der Burg sind einige Fotos der bemalten Schiebetüren und Wandmalereien abgebildet.

Die Palast-Zimmer sind mit Tatami-Matten (Reisstrohmatten) bedeckt und verfügen über elegant dekorierte Decken und wunderschön lackierte Schiebetüren (Fusuma). Leider ist in den Innenräumen fotografieren verboten. Aber die prächtig ausgestatteten, mit viel Gold ausgeschlagenen Räume und die tollen Wandmalereien sind sehr beeindruckend. Üblich ist in vielen alten Tempeln und Burgen, dass man als Besucher die Schuhe vor Betreten der Räumlichkeiten auszieht und diese entweder am Eingang in Schuhschränken deponiert oder in einer Plastiktüte mit sich herumträgt. Das hat den Vorteil, dass die sehenswerten Anlagen nicht durch hereingetragenen Schmutz verunreinigt und durch die Schuhe zusätzlich abgenutzt werden. Deshalb empfiehlt es sich, nicht nur Socken ohne Löcher, sondern vor allem dicke, warme Socken – zumindest im Winter – anzuziehen, damit man nicht an den Füßen erfriert. Denn es ist saukalt in den Gebäuden. Ich frage mich, wie die Kaiser und Shogune und der ganze Hofstaat es geschafft haben, nicht zu erfrieren. Denn offenes Feuer in den überwiegend aus Holz gebauten, mit leicht brennbaren Tatamis ausgelegten und Reispapier verkleideten Türen war ein zu hohes Risiko. Und gebrannt hat es zu damaliger Zeit oft genug, wie die vielen Berichte von den häufigen Zerstörungen und Wiederaufbauten der Tempel, auch in anderen Städten, zeigen.

Über den heißen Kaffee vor der Besichtigung habe ich mich gefreut, aber viel mehr hätte mir ein heißes Getränk hinterher gut getan.

Blick über den Honmaru-Palast und die Gärten in der Burg Nijo-jo in Kyoto

Nach der Meiji-Restauration und dem Ende des Tokugawa-Shogunats fiel die Burg an den Kaiser und schließlich an die Stadt Kyoto. Die Ninomaru Residenz ist die einzige aller Fürsten-Residenzen der Edo-Zeit, die erhalten ist. Sie wird (in Teilen) als Nationalschatz geführt, die Gesamtanlage ist seit 1994 zusammen mit 13 weiteren Stätten in Kyoto UNESCO-Weltkulturerbe.

Auf Grund der großen Entfernungen zwischen den einzelnen Tempeln und Kulturstätten innerhalb Kyotos nutzte ich hauptsächlich den Bus, um an meine Ziele zu gelangen. Das ist mit 230 Yen (1,95 Euro) pro Fahrt relativ preiswert, denn es gilt ein entfernungsunabhängiger Einheitstarif. Und meine Fahrten waren meisten länger als ein oder zwei Stationen.

Ryoan-ji Tempel

Der Ryoan-ji Tempel ist ein Zen-Tempel im Norden der Stadt. Ursprünglich die Villa eines Adligen während der Heian-Zeit wurde die Anlage 1450 in einen Tempel umgewandelt. Der Name des Tempels steht auch als Synonym für den gleichnamigen Stein-Garten, der als berühmtester Zen-Garten ganz Japans gilt. Der Garten besitzt eine rechteckige Fläche von ca. 25 mal 10 Metern aus fein gerechtem Kies und mit 15 scheinbar zufällig angeordneten angeordnet Steinen in fünf bemoosten Gruppen. Egal, aus welcher Perspektive man auf die Steine schaut, einer ist immer vor den Blicken der Besucher versteckt.

Zen-Garten des Ryoan-ji Tempels in Kyoto

Die Bedeutung des Gartens ist unklar. Einige glauben, dass der Garten einen Tigers darstellt, der Jungen über einen Teich oder von Insel zu Insel im Meer trägt, während andere behaupten, dass der Garten ein abstraktes Konzept wie die Unendlichkeit darstellt. Weil die Bedeutung des Gartens nicht genauer festgelegt ist, liegt es an jedem Betrachter, die Bedeutung für sich selbst zu finden. Um dies zu erleichtern, ist ein Besuch in den frühen Morgen empfehlenswert, wenn sich noch keine Massen durch den Tempel schieben.

Im Ryoan-ji Tempel in Kyoto

Der Garten ist vom Hojo, der ehemaligen Residenz des Oberpriesters, aus zu sehen. Neben dem Steingarten bietet das Hojo einige Gemälde auf den Schiebetüren (fusuma) der Tatami-Räume und ein paar kleinere Gärten auf der Rückseite des Gebäudes. Der Hojo ist mit der Kuri verbunden, der ehemaligen Tempelküche, die heute als Haupteingang des Tempels dient.

Ninna-ji Tempel

Im Ninna-ji Tempel in Kyoto

Einen kurzen Spaziergang (ca. 10 Minuten) vom Ryoan-ji Tempel entfernt liegt der Ninna-ji Tempel. Während der frühen Heian-Zeit (794-1185) bauten die Adligen des Kaiserhofs an den Füßen der Hügel im Norden bzw. Nordwesten Kyotos imposante Sommerhäuser, die in der Blütezeit des Amida-Buddhismus mehr und mehr in Tempel umgewandelt wurden. Der 58. Kaiser Koko gab einen Tempel in diesem Bezirk in Auftrag, der dem Amida-Buddha und zweier beistehender Gottheiten gewidmet werden sollte. So ist der Ninna-ji entstanden, dessen Vollendung Koko im Jahre 888 nicht mehr erlebte. Sein Sohn Uda, 59. Kaiser, dankte 899 ab und zog sich als Mönch in den Tempel zurück. Bis zur Meiji-Restauration 1869 war der Vorsteher des Tempels immer der erste oder zweite Sohn des obersten Priesters das kaiserlichen Hofes. So war der Tempel Zentrum pro-kaiserlicher Kräfte, die auch gegen die Fujiwara-Familie gerichtet waren.

Im Ninna-ji Tempel in Kyoto

Im Onin-Krieg (1466/67) wurde er durch ein Feuer vollständig zerstört und ein Teil zwischen 1641 und 1646 mit Unterstützung des Tokugawa-Shoguns Iemitsu wieder aufgebaut. Heute ist er der Haupttempel der Omuro-Schule der buddhistischen Shingon-Sekte.

Im Ninna-ji Tempel in Kyoto

Der Höhepunkt eines Besuches in Ninna-ji ist die Goten, die ehemalige Residenz des Oberpriesters in der südwestlichen Ecke des Tempelkomplexes. Erbaut im Stil eines kaiserlichen Palastes sind die anmutigen Gebäude miteinander durch überdachte Korridore verbunden, verfügen über elegant lackierte Schiebetüren und sind umgeben von schönen Felsen-und Teichgärten.

Im Ninna-ji Tempel in Kyoto
Im Ninna-ji Tempel in Kyoto

Auch hier gilt natürlich Schuhe ausziehen, was eigentlich ganz praktisch ist: die Anlagen werden durch die Besucher bei weitem nicht so stark beeinträchtigt wie zum Beispiel in Deutschland, bleiben länger sauber und die Besucher können ihre Füße nach der vielen Lauferei mal auslüften.

Im Ninna-ji Tempel in Kyoto

Kinkaku-ji Tempel

Vom Ninna-ji Tempel sind es ungefähr 15 Minuten zu Fuß bis zum Kinkaku-ji Tempel. Der ist bekannt für seine Reliquienhalle, deren oberste zwei Stockwerke komplett vergoldet sind. Deshalb wird er auch „Goldener Pavillon“ genannt. Ursprünglich am Ende des 14. Jahrhunderts als Alters- und Ruhesitz des damals noch amtierenden Shoguns Ashikaga Yoshimitsu gebaut, wurde die Villa nach dessen Tod zu einem Zen-Tempel der Rinzai-Schule umgewidmet.

Im Kinkaku-ji Tempel in Kyoto

Ginkaku-ji Tempel

Die halbstündige Busfahrt zum Ginkaku-ji Tempel im Nordosten der Stadt lies mir etwas Zeit, meine müden Beine auszuruhen und etwas durchzuschnaufen. Langsam machte sich auch der leere Magen bemerkbar, der am frühen Morgen ja nur durch einen heißen Kaffee gefüllt wurde.

Was für ein Glück, dass an der Straße, die zum Ginkaku-ji Tempel führt nicht nur Souvenirs verkauft werden, sondern auch leckere Gerichte, die man auf der Hand essen kann. Für 500 Yen (4,24 Euro) kaufte ich mir ein fünfer Set gegrillter Hühnerfleischspieße, die einfach nur köstlich waren. Während ich also mit den Spießen in der Hand und teilweise im Mund die Straße zum Tempel hoch lief, hatte ich mein erstes Gespräch komplett auf japanisch. Eine Frau eines Geschäftes fragte freundliche: „Oishīdesu?“ (Ist es lecker?) und ich konnte tatsächlich mit einem ebenso freundlichen und wahren „Hai, oishī!“ (Ja, lecker!) antworten. Darüber freute ich mich sehr. Und dann war ich auch schon satt und glücklich am Tempel angelangt.

Im Ginkaku-ji Tempel in Kyoto

Der Ginkaku-ji Tempel wird auch „Silberner Pavillon“ genannt, ähnlich zum zuvor besuchten Goldenen Pavillon, obwohl er nie mit Silber ausgekleidet wurde. Der Tempel gehört ebenso zur Rinzai-Schule und wurde 1482 als Ruhesitz des Shoguns Ashikaga Yoshimasa gebaut. Der Garten der Anlage ist vor allem für Gishadan („See des Silbersandes“) und Kōgetsudai („Mondschauplattform“) bekannt. Wunderschön an einem Hang gelegen geht treppauf, treppab durch ein von Moos überwucherten Garten, der zwischendurch vom höchsten Punkt einen Blick auf Kyoto zulässt.

Kiyomizu-dera Tempel

Wieder mit dem Bus zum nächsten Tempel. Der Kiyomizu-dera Tempel gilt als einer der meistbesuchten in Kyoto. Seine Geschichte reicht ins Jahr 780 zurück, als auf dem Gelände des Otowa Wasserfalls in den bewaldeten Hügeln östlich von Kyoto der Tempel gegründet wurde. Der Tempel wurde ursprünglich mit der Hosso-Sekte, einer der ältesten Schulen im japanischen Buddhismus, assoziiert, bildete aber 1965 seine eigene Kita Hosso-Sekte.

Im Kiyomizu-dera Tempel in Kyoto

Kiyomizu-dera ist am besten bekannt für seine hölzerne Terrasse, welche mit seiner Haupthalle auf einer Balkenkonstruktion ohne Nägel an einem steilen Hang errichtet wurde. Die Terrasse bietet den Besuchern einen schönen Blick auf die zahlreichen Kirsch- und Ahornbäume darunter, die im Frühjahr und Herbst in einen Farbrausch verfallen sowie in der Ferne auf die Stadt Kyoto. Die Haupthalle beherbergt eine kleine Statue der elfgesichtigen, tausendarmigen Kannon. Ein kurzes Video dazu findet ihr auch auf meinem YouTube Kanal.

Im Kiyomizu-dera Tempel in Kyoto

To-ji Tempel

Zum To-ji Tempel nahm ich die U-Bahn, da er mit dem Bus nicht direkt erreichbar war von meinem aktuellen Standort. So kam ich am für japanische Verhältnisse späten Nachmittag gegen etwa 16 Uhr am To-ji Tempel an, also kurz vor Sonnenuntergang.

Der Bau des Tempel begann Ende des ausgehenden 8. Jahrhunderts, kurz nachdem die Hauptstadt nach Heian, dem heutigen Kyoto, verlegt wurde. Der To-ji flankierte mit seinem damaligen Schwestertempel Sai-ji den Südeingang der neuen kaiserlichen Hauptstadt und diente als Wächtertempel derselbigen.

Etwa dreißig Jahre nach der Errichtung des Tempels wurde Kobo Daishi, der Gründer der buddhistischen Shingon-Sekte, zum Oberpriester von To-ji ernannt und der Tempel wurde neben dem Hauptsitz der Sekte auf dem Berg Koya zu einem der bedeutendsten Shingon-Tempel. Kobo Daishi fügte auch viele der großen hölzernen Gebäude hinzu, die heute auf dem Gelände stehen.

Kondo-Halle im To-ji Tempel in Kyoto
Kondo-Halle im To-ji Tempel in Kyoto

Die Kondo-Halle, eine der ursprünglichen Strukturen von Toji, ist die Haupthalle des Tempels und das größte Gebäude. Es wurde 1486 durch ein großes Feuer zerstört. Die Halle wurde im frühen Edo-Zeitalter in einem zeitgenössischen Architekturstil umgebaut und beherbergt heute das Hauptobjekt des To-ji, eine große Statue des Yakushi Buddhas, die von den beiden Begleitern Nikko und Gakko Bodhisattvas flankiert wird.

Gleich nebenan steht die Kodo-Halle, die 825 von Kobo Daishi hinzugefügt wurde und als Tempel-Hörsaal diente. Sie brannte ebenfalls nieder und wurde anschließend in ihrem ursprünglichen architektonischen Stil wieder aufgebaut. Die Kodo-Halle beherbergt 19 von Kobo Daishi aus China importierten Statuen, die nach einem Mandala mit Dainichi Buddha (Vairocana) in der Mitte angeordnet sind, umgeben von Buddhas, Bodhisattvas und die Angst und Hüter Könige. In den Gebäuden ist leider fotografieren verboten. Aber es riecht nach uraltem Holz und man kann förmlich das Alter der Gebäude und der Statuen riechen. Ich setzte mich einen Augenblick auf alte Holzbänke und versuchte die Atmosphäre und Geschichte in mich aufzunehmen.

Pagode im To-ji Tempel in Kyoto
Pagode im To-ji Tempel in Kyoto

Gegenüber dem Kondo und der Kodo steht die fünfstöckige Pagode, die im Jahre 826 von Kobo Daishi errichtet wurde. Sie ist 57 Meter hoch und damit die höchste Pagode in Japan. Sie ist zu einem Symbol sowohl für den Tempel als auch für Kyoto geworden. Von vielen Orten in der Stadt kann sie gesehen werden.

Der To-ji war nun auch der letzte geplante Tempel auf meinem Tagesprogramm, da die meisten Tempel mit dem Sonnenuntergang, der in Japan recht früh einsetzt, ihre Pforten für die Besucher schließen. Also machte ich mich nun nach insgesamt sieben Burgen, Tempeln bzw. Schreinen, ca. 10 Stunden ununterbrochener Sightseeingtour und – trotz vieler Busfahrten – rund 20 Kilometern Fußmarsch auf den wohlverdienten Heimweg. ABER nicht ohne einem letzten Schrein, eher zufällig als geplant, einen Besuch abzustatten. Eigentlich auf der Suche nach etwas Essbarem war ich im Altstadtviertel Gion in der Nähe des Yakasa Schreins, der mich mit seiner stimmungsvollen Beleuchtung anzog.

Yakasa Schrein

Der Yakasa-Schrein, auch bekannt als Gion-Schrein, stammt aus dem Jahr 658 und ist ein Shinto-Schrein. Die Haupthalle des Schreins verbindet den Honden (inneres Heiligtum) und das Haiden (Opferhalle) in einem einzigen Gebäude. Davor steht eine Tanzbühne mit Hunderten von Laternen, die abends angezündet werden. Jede Laterne trägt den Namen eines lokalen Unternehmens im Gegenzug für eine Spende.

Yasaka Schrein in Kyoto

Der Schrein ist bekannt für sein Sommer-Festival, das Gion Matsuri, die jeden Juli gefeiert wird. Das wohl bekannteste Fest des ganzen Landes reicht über tausend Jahre zurück und beinhaltet eine Prozession mit riesigen Motivwagen und Hunderten von Teilnehmern. Der Schrein wird auch während der Kirschblüten-Jahreszeit um Anfang April stark frequentiert, da der angrenzende Maruyama-Park einer der berühmtesten Hotspots für die Kirschblüte in Kyoto ist.

Aber das war es jetzt wirklich. Mittlerweile war nicht nur die Sonne untergegangen, sondern die Dunkelheit hatte sich über Kyoto gelegt. Genau wie eine bleierne Schwere über meine Beine und Füße. Ich wünschte mir nichts sehnlicher als etwas zu essen und einen kurzen Rückweg ins Hotel und dann ein heißes Bad.

Altstadtviertel Gion

Mit ersterem wurde ich in Gion belohnt. Hier konnte ich mir das mittelalterliche Japan sehr gut vorstellen. Zurückversetzt in das kaiserliche Kyoto, in dem der Hofstaat das Sagen hatte und die ganze Stadt sich darauf einstellte, dem Kaiser und seinem Gefolge zu Füßen zu liegen. Plötzlich sah ich vor meinem inneren Auge Maikos (junge Mädchen in Ausbildung zu Geisha) und Geishas durch die Gässchen trippeln, denn richtiges Laufen war in den enggebundenen Kimonos und den Getas (hölzerne Sandalen) nicht wirklich möglich. Die stimmungsvollen roten und weißen Papierlaternen taten ihr übriges. Das Viertel ist noch sehr ursprünglich mit seinem zweigeschossigen Häusern aus Holz und den engen Gässchen. Die Häuser beherbergen viele Bars, Geschäfte und Restaurants.

Ich fand mich relativ schnell in einem japanischen Tonkatsu-Restaurant wieder. Kaum bestellt, kam das Menü auch schon, bestehend aus einer ordentlichen Portion Tonkatsu (fritiertes Schweineschnitzel), kleingeschnittener Kohl, Reis, ein halbgar gekochtes Ei und die übliche Misosuppe. Ein Getränk gibt es in der Regel ebenfalls immer dazu. Entweder Wasser oder Tee. Das Fleisch war fantastisch, außen kross und innen medium. Und super zart, sodass es fast auf der Zunge zerlaufen ist.

Abendessen im Altstadtviertel Gion in Kyoto
Abendessen im Altstadtviertel Gion in Kyoto

Danach waren es auch nur noch weitere 1,5 Kilometer bis ins Hotel. Aber das machte nun auch nichts mehr.

Tag 2

Auch der zweite Tag begann bei Sonnenaufgang, denn der frühe Besucher macht die einsamsten Fotos – oder so ähnlich. Mit der U-Bahn und der Kintetsu-Nara Linie dauerte die Fahrt zum Schrein eine halbe Stunde.

Fushimi Inari Taisha

Der Fushimi Inari Taisha Schrein ist ein wichtiger Shinto-Schrein im südlichen Kyoto. Es ist berühmt für seine Tausenden zinnoberroten torii Tore, die ein Netz von Wanderwegen hinter seinem Hauptgebäude überspannen. Die Wege führen in den bewaldeten Wald des heiligen Berges Inari, der auf 233 Metern Höhe liegt und zum Schreingelände gehört.

Im Fushimi Inari Taisha Schrein in Kyoto
Im Fushimi Inari Taisha Schrein in Kyoto

Der Aufstieg zum Gipfel dauerte etwa eine Stunde und war zur frühen Tageszeit in der Kühle des Morgens eine wahre Wohltat. Es kam mir vor wie Urlaub ;-). Vom Gipfel hat man einen schönen Ausblick auf Kyoto, der bei mir aber durch die feuchte Luft etwas getrübt war. Dafür hatte ich die Toriis und andere Fotoschönheiten wie die zahlreichen Fuchsstatuen fast für mich allein. Fushimi Inari ist der wichtigste von etwa einem Drittel aller Inari gewidmeten Schreine, dem Shinto-Gott des Reises, der Fruchtbarkeit und der Füchse. Füchse sind vermutlich Inari-Boten, was zu vielen Fuchsstatuen auf dem gesamten Schreingelände führt.

Als ich bereits vom Gipfel absteige, kommen von unten die ersten Heerscharen von Touristen, die glauben, die Toriis noch ohne Besucher fotografieren zu können. Tja, leider verpennt.

Higashi-Hongan-ji Tempel

Auf dem Rückweg Richtung Stadtzentrum Kyoto halte ich noch kurz an einem weiteren Tempel an, dem Higashi Hongan-ji. Er rühmt sich, das größte Holzgebäude der Welt zu sein. Das Holz für seinen Bau wurde im Winter mit Schlitten aus den Bergen geholt. Viele Arbeiter verloren bei der Errichtung des Tempels ihr Leben. Nach der Fertigstellung brannte die hölzerne Haupthalle mehrfach wieder und wurde immer wieder neu aufgebaut, zuletzt 1895.

Heute ist er das Hauptquartier der großen buddhistischen Schule Jodo-Shinshu, die 1224 gegründet wurde. Landesweit zählt Jodo-Shinshu rund 10.000 Tempel und 12 Millionen Anhänger und ist damit die größte buddhistische Schule Japans.

Im Higashi Hongang-ji Tempel in Kyoto
Im Higashi Hongang-ji Tempel in Kyoto

Besonders sehenswert sind die Shinran- und die Amida-Statue, ebenso wie das dicke, geflochtene Seil, das aus Millionen von Haaren der Anhänger geknüpft wurde.

Nishiki Ichiba-Markt

Nun hatte ich aber wirklich genug Kultur und Geschichte. Deshalb wandte ich mich wieder den weltlichen Genüssen zu und ging über den Nishiki Ichiba-Markt, wo an mehr als 130 Ständen Fisch, Gemüse, Tofu, Süßigkeiten und vieles mehr verkauft wird. Auch sehr leckere Snacks für auf die Hand, z. B. gegrillter Squid oder Teigröllchen am Spieß, wo nur der Koch und Gott weiß, was drin ist. Aber dafür war es verdammt lecker!

Auf dem Nishiki Ichiba-Markt in Kyoto
Auf dem Nishiki Ichiba-Markt in Kyoto
Auf dem Nishiki Ichiba-Markt in Kyoto
Auf dem Nishiki Ichiba-Markt in Kyoto

Schlussendlich bleibt mir nur zu sagen, Kyoto war auf jeden Fall eine Reise wert. Zwei Tage sind allerdings viel zu wenig, wenn man in Ruhe in die Kultur der Kaiserzeit eintauchen möchte. Ich empfehle, mindestens drei bis vier Tage zu investieren. Dann braucht man auch nicht so zu hetzen. Allerdings kann ich mein Hotel, das Hearton Hotel Kyoto, weiterempfehlen. Es liegt sehr zentrumsnah, Nijo-jo ca. 15 Minuten, nach Gion ca. 15 Minuten. Es gibt einige Restaurants und kleine Supermärkte in unmittelbarer Nachbarschaft. Mein Zimmer war gut ausgestattet und insgesamt war es nicht teuer.

Meine Ziele in Kyoto

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