Meine Deutschlandtour – 1. Etappe von Schmitten nach Dodenau

1. Etappe von Schmitten nach Dodenau im Ederbergland

Die 1. Etappe von Schmitten nach Dodenau meiner persönlichen Deutschlandtour steht heute auf dem Programm. Ich bin ziemlich aufgeregt, ob ich es nach fast einem ganzen Jahr Planung und Vorbereitung wirklich schaffen werde, mit dem Rennrad vom Taunus nach Nordfriesland zu fahren. Und nun ist es endlich so weit. Die 1. Etappe von Schmitten nach Dodenau mit ihren 122 Kilometern und rund 5 Stunden reiner Fahrzeit liegt erfolgreich hinter mir. Ich bin glücklich, dass der Auftakt meiner Deutschlandtour so gut und insbesondere unfallfrei gelungen ist. 

Streckenverlauf

1. Etappe von Schmitten nach Dodenau Strava Streckenprofil1. Etappe von Schmitten nach Dodenau Strava Streckenprofil

Höhepunkte entlang der Strecke

Nach dem Frühstück packe ich meine wenige Ausrüstung zusammen und schwinge mich in den Sattel. Über eine steile, etwa 4 Kilometer lange Abfahrt nach Schmitten geht es über Rod am Berg nach Usingen. Von hier biege ich auf die Bundesstraße 275 in Richtung Bad Nauheim ab, die ich in Langenhain-Ziegenberg linker Hand verlasse.

Blick zurück kurz vor Butzbach
Blick zurück kurz vor Butzbach

Historische Altstadt Butzbach

Butzbach, nach einer reichlichen Stunde und rund 35 Kilometern erreicht, ist mit rund 150 unter Denkmalschutz stehenden Fachwerkhäusern ein Muss für alle an historischen Denkmälern interessierten Ausflügler und Reisenden. Den Mittelpunkt des mittelalterlich geprägten Städtchens bildet der Marktplatz mit dem im Jahr 1560 erbauten Rathaus und dem 1435 erstmals erwähnten Brunnen. Der Platz ist von herausgeputzten Fachwerkhäusern umsäumt, die zum Teil aus dem 14. Jahrhundert stammen. Wegen seines wundervollen Aussehens wird die mittelalterliche Marktfläche oft als der schönste Platz Hessens bezeichnet.

Hessens schönste Altstadt rund um den Marktplatz in Butzbach
Hessens schönste Altstadt rund um den Marktplatz in Butzbach

Weitere Sehenswürdigkeiten von Butzbach sind die zu großen Teilen erhaltene Stadtmauer mit ihren als Schwibbögen bezeichneten Bogenkonstruktionen und den darin erbauten Schwibbogenhäusern. Außerdem gibt es noch ein ehemaliges Landgrafenschloss mit einem rekonstruierten Lustgarten, das Solmser Schloss und die um 1440 erbaute St. Wendelinskapelle, Hessens älteste Fachwerkkirche.

Nach einem kurzen Fotostopp geht es weiter über Langgöns und Linden, nahezu parallel zur B3 und A485, nach Gießen.

Sonnenblumenfeld zwischen Butzbach und Gießen
Sonnenblumenfeld zwischen Butzbach und Gießen

Universitätsstadt Gießen mit Mathematikum

Bei Kilometer 53 und rund zwei Stunden Fahrzeit erreiche ich die Innenstadt Gießens. Direkt linker Hand liegt ein schönes Ausflugsziel, insbesondere auch für Kinder sehr lohnenswert: das Mathematikum. Das Mathematikum ist das erste mathematische Mitmach-Museum der Welt.

Etwa 200 Exponate veranschaulichen die Mathematik. Besucher jeden Alters und jeder Vorbildung können hier experimentieren: Puzzles legen, Brücken bauen, Knobelspiele lösen und in einer Riesenseifenhaut stehen.

Über den Marktplatz geht es nur zu Fuß und mit Mund-Nasen-Schutz.

Laubengang am Marktplatz in Gießen
Laubengang am Marktplatz in Gießen

Kurz danach esse ich bereits früh zu Mittag, bevor es in nördlicher Richtung auf der Marburger Straße über Lollar in ebenjene Stadt weiter geht. Gießen ist übrigens sehr gut mit Fahrrad zu durchqueren. Es gibt breit aufgezeichnete oder sogar von den normalen Fahrspuren abgetrennte Radwege. Nur die vielen Ampeln sind – wie überall – auf Dauer ziemlich anstrengend, nicht nur wegen dem ständigen Abbremsen und wieder Anfahren, sondern vor allem wegen dem ständigen Raus und Rein mit den Klickpedalen.

Die Straße nach Marburg über Fronhausen und Weimar ist überwiegend in gutem Zustand und wenig befahren. Links und rechts erstrecken sich reife oder bereits gemähte Kornfelder, die ab und zu von kleinen Siedlungen durchbrochen werden.

Marburg – Altstadt mit Marktplatz und Landgrafenschloss

Marktplatz mit Rathaus in Marburg
Marktplatz mit Rathaus in Marburg

83 Kilometer und rund 3,5 Stunden Radfahrt liegen bereits hinter mir, als ich auf dem Marktplatz in Marburg eintreffe. Marburg wird von den Lahnbergen und dem Gladenbacher Bergland umgeben. Die Stadt besitzt sowohl eine große historische Bedeutung als auch ein sehr gut erhaltenes altes Stadtzentrum. Das liegt insbesondere daran, dass hier die heilige Elisabeth von Thüringen ihre letzten Lebensjahre verbrachte. Sie war die Witwe des Thüringer Landgrafen, weshalb später ihrem Enkel eigentlich die Herrschaft über Thüringen bzw. einem Teil davon zustand. Das wurde allerdings nicht anerkannt. Es kam zum Krieg und ihr Enkel konnte als Landgraf Heinrich I. danach über den westlichen Teil von Thüringen herrschen, der fortan Landgrafschaft Hessen hieß. Damit wurde Marburg zur Residenzstadt und gleichzeitig zur Wiege des heutigen Bundeslandes Hessen.

Oberstadt und Landgrafenschloss

Besonders sehenswert ist die Marburger Oberstadt. Sie wird vom mittelalterlichen Landgrafenschloss überragt und besitzt, durch ihre Lage am Berghang, steile, verwinkelte Straßen, Gassen und Treppen mit verträumt wirkenden Fachwerkhäusern. Dem schwer zugänglichen Gelände ist es auch zu verdanken, dass sich hier in den letzten hundert Jahren nur wenig verändert hat und moderne Einkaufszentren und Geschäftshäuser nur unterhalb der Oberstadt entstanden sind.

Landgrafenschloss über der Altstadt von Marburg
Landgrafenschloss über der Altstadt von Marburg

Auf einem steilen Berg thront weithin sichtbar das Landgrafenschloss über der Altstadt von Marburg. Es steht nicht nur an einer sehr auffälligen Stelle, sondern besitzt auch eine sehr umfangreiche, aus mehreren Bauteilen bestehende und zum größten Teil aus dem Mittelalter stammende Bausubstanz. Besonders sehenswert sind der Große Saal bzw. Fürstensaal und die Schlosskapelle, die beide ein herausragendes Zeugnis der Spätgotik sind.

Ebenso interessant ist die historische Bedeutung der Anlage. Die Burg gilt als Keimzelle von Hessen, denn hier befand sich der Sitz von Heinrich I. (1256-1308), dem ersten hessischen Landgrafen. Er war der Enkel der Heiligen Elisabeth von Thüringen, die als Witwe des vorletzten Thüringer Landgrafen Ludwig IV. in Marburg lebte und hier auch verstarb. Nach langen Erbstreitigkeiten und einem Krieg konnte er schließlich über den westlichen Teil der ehemaligen Landgrafschaft Thüringen herrschen. Der neu entstandene Staat wurde nach den hier lebenden Hessen (ursprünglich Chatten) benannt.

St. Marien-Kirche in Marburg
St. Marien-Kirche in Marburg

Heute befindet sich im Landgrafenschloss das Marburger Universitätsmuseum. Es informiert über die Schlossgeschichte. Anhand von Burgmodellen kann man dabei auch die bauliche Entwicklung der ehemaligen Residenz nachvollziehen. Außerdem gehören zum Museum eine Keramikausstellung und mehrere kulturgeschichtliche Sammlungen. Der hinter der Anlage liegende Schlosspark und die steilen, engen Gassen der Oberstadt geben dem Schloss ein romantisches Umfeld.

Unterstadt und Umgebung

Aber auch im Tal entstanden bereits im Mittelalter historische Stadtviertel. Neben dem bereits erwähnten Landgrafenschloss fällt hier besonders die Elisabethkirche ins Auge. Sie wurde ursprünglich vor der Stadt vom Deutschen Orden zu Ehren der Heiligen Elisabeth erbaut, die hier auch begraben wurde. Als Meisterwerk der deutschen Frühgotik besitzt das Gotteshaus eine sehr harmonische Gestaltung, weshalb die Kirche unter anderem ein Vorbild für den Bau des Kölner Doms war. Weitere auffällige Bauwerke sind das historische Rathaus und die alten Gebäude der Marburger Universität, die als Alma Mater Philippina bereits im Jahr 1527 als protestantische Hochschule gegründet wurde.

St. Elisabeth-Kirche in Marburg
St. Elisabeth-Kirche in Marburg

Aber auch Naturliebhaber kommen in Marburg auf ihre Kosten. Es gibt sowohl schöne Parkanlagen als auch eine waldreiche Umgebung mit vielen Wanderwegen und Aussichtstürmen. Unter den Parkanlagen ist insbesondere der auf dem Schlossberg liegende Schlosspark, der Botanische Garten in den Lahnbergen und der Alte Botanische Garten am Pilgrimstein erwähnenswert.

Hinter Marburg beginnt der landschaftlich schönste und auch ruhigste Streckenabschnitt der 1. Etappe von Schmitten nach Dodenau. Nach Querung der Lahn bei Goßfelden und abseits der größeren Ortschaften führt die Tour zwischen reifen Kornfeldern, die bereits gemäht wurden, und Wiesen allmählich ansteigend in Richtung Ederbergland.

Blick auf Frohnhausen kurz vor dem Ziel in Dodenau
Blick auf Frohnhausen kurz vor dem Ziel in Dodenau

Ab Kilometer 103 werden die Hügel etwas höher und die Anstiege etwas steiler, mit Steigungen zwischen 2 und 7 Prozent aber immer noch angenehm befahrbar. Der höchste Punkt der Tour, mal vom Start abgesehen, ist mit einer Höhe von 426 Metern über NN zwischen Frohnhausen und Laisa bei etwa Kilometer 112 und nach 4,5 Stunden Fahrzeit erreicht. Von hier an rolle ich auf einem leicht welligen Profil wieder bergab, bevor der Schlussanstieg auf dem letzten Kilometer mit bis zu 19 Prozent Steigung aufwartet.

Zielankunft in Dodenau

Doch auch diesen meistere ich. Nun kann ich geschafft, aber glücklich über die 1. Etappe von Schmitten nach Dodenau, im Berghotel Waidmannsheil in Dodenau einchecken.

Berghotel Waidmannsheil in Dodenau
Berghotel Waidmannsheil in Dodenau

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