Meine Deutschlandtour – 2. Etappe von Dodenau nach Willebadessen

2. Etappe von Dodenau im Ederbergland nach Willebadessen im Teutoburger Wald

Nach einer entspannten Nacht, stärke ich mich bei einem ausgiebigen Frühstück im Berghotel Waidmannsheil und unterhalte mich mit der Inhaberin des Hotels über die aktuelle und ihre persönliche Situation.

Mein Frühstück im Berghotel Waidmannsheil in Dodenau
Mein Frühstück im Berghotel Waidmannsheil in Dodenau

Sie sagt, sie hätte noch Glück während des Corona-Lockdowns gehabt, da nicht-touristische Gäste, wie Monteure, weiterhin untergebracht und verpflegt werden durften. Und da bei ihr viele Monteure unterkommen, die im Hauptstandort von Viessmann in Allendorf und bei einem größeren Unternehmen in Battenberg während der Betriebsferien die Wartung durchführen, ist sie auch jetzt gut gebucht. Nur ich bin der einzige touristische Gast.

Nach dem Auschecken liegt heute die 2. Etappe von Dodenau nach Willebadessen mit geplanten 102 Kilometern durch eher hügeliges Gelände vor mir.

Streckenverlauf

2. Etappe von Dodenau nach Willebadessen Strava Streckenprofil
2. Etappe von Dodenau nach Willebadessen Strava Streckenprofil

Höhepunkte entlang der Strecke

Frankenberg (Eder)

20 Kilometer nach dem Start gelange ich nach Frankenberg (Eder) mit seiner historischen Altstadt. Besonders sehenswert ist das 10-türmige Rathaus zwischen Ober- und Untermarkt und die historische Altstadt. In der näheren Umgebung sind der Edersee und der Nationalpark Kellerwald-Edersee beliebte Ausflugsziele. Das Buchenwald-Gebiet des Nationalparks ist seit 2011 Teil der UNESCO-Weltnaturerbestätte Buchenurwälder und Alte Buchenwälder der Karpaten und anderer Regionen Europas.

Historisches Rathaus in Frankenberg (Eder)
Historisches Rathaus in Frankenberg (Eder)

Die nächsten 30 Kilometer führen durch eine wellige, abwechslungsreiche Landschaft auf verkehrsarmen, überwiegend in gutem Zustand befindliche Landstraßen. Landwirtschaftlich geprägte, beschauliche, gepflegte Dörfer wechseln sich mit reifen Kornfeldern und Weideland ab.

Blick von Korbach-Nordenbeck über reife Kornfelder auf Korbach
Blick von Korbach-Nordenbeck über reife Kornfelder auf Korbach

Nach diesem Auf und Ab erreiche ich Norderbeck, einen Stadtteil Korbachs, der direkt am Ortseingang mit einem tollen, ehemaligen Wasserschloss aufwartet.

Ehemaliges Wasserschloss in Korbach-Nordenbeck
Ehemaliges Wasserschloss in Korbach-Nordenbeck

Die mit Wassergräben umgebene Burganlage wurde im 13. Jahrhundert errichtet.

Ehemaliges Wasserschloss in Korbach-Nordenbeck
Ehemaliges Wasserschloss in Korbach-Nordenbeck

Der sechsgeschossige Turm wurde 1412 als Wohnturm gebaut. Während der Folgezeit wechselte die Burg häufig den Besitzer, bevor sie 1790 in den Besitz der Familie Canisius überging.

Sechsgeschossiger Wohnturm im ehemaligen Wasserschloss in Korbach-Nordenbeck
Sechsgeschossiger Wohnturm im ehemaligen Wasserschloss in Korbach-Nordenbeck

Die Weiterfahrt ist anstrengend, da es einen zwei Kilometer langen Anstieg mit einer durchschnittlichen Steigung von etwa 7% zum Korbacher Stadtteil Goldhausen zurückzulegen gilt.

Hier kann der Eisenberg mit einer Burgruine und dem Georg-Viktor-Turm, einem 22,5 Meter hohen Aussichtsturm, bestiegen werden. Berühmt ist der Berg aber auch, weil hier im Mittelalter Gold abgebaut wurde. Hierüber kann man sich im Besucherbergwerk am Eisenberg und auf dem Lehrpfad Goldspur Eisenberg informieren.

Da diese Ziele jedoch alle noch mit dem Rennrad, sondern nur über geschotterte Fußwege zu erreichen sind, lohnen sich die Extrakilometer und -höhenmeter für mich leider nicht. Aber nach jedem Anstieg folgt in der Regel eine Abfahrt und diese genieße ich im vollen Fahrtwind umso mehr. Inzwischen ist es auch recht warm und vor allem sonnig.

Blick zurück auf den Georg-Viktor-Turm in Korbach-Goldhausen
Blick zurück auf den Georg-Viktor-Turm in Korbach-Goldhausen

Kurz vor Korbach, dass ich bei Kilometer 55 und nach etwa zweieinhalb Stunden Fahrzeit erreiche, gelingt mir wenigstens ein Blick zurück auf den Georg-Viktor-Turm.

Korbach – Altstadt mit Tylenturm, Glockenspiel und Kirche St. Nikolai

Historisches Rathaus in Korbach
Historisches Rathaus in Korbach

Korbach, die im Waldecker Land nahe des Ederstausees und am Rande des Sauerlandes liegende Stadt, besitzt viele gut erhaltene mittelalterliche Bauwerke und herausgeputzte Fachwerkhäuser. Der Grund dafür ist, dass Korbach schon im frühen Mittelalter durch den Handel mit Tuchen, Fellen, Bier, Gold und anderen Metallen sehr reich geworden ist und deshalb auch der Hanse beitrat.

Ein Stück der alten Stadtmauer in Korbach
Ein Stück der alten Stadtmauer in Korbach

Der einstige Wohlstand ist an vielen Stellen heute immer noch ablesbar, ganz besonders auch an den aus Stein erbauten gotischen Lagerhäusern. Diese sind ein typisches Merkmal von Korbach und im Stadtbild anhand ihrer Stufengiebel leicht zu erkennen. Aber auch das Rathaus, die beiden gotischen Hallenkirchen und die Reste der Stadtmauer sind sehr sehenswert.

Der Tylenturm, ein mittelalterlicher Wehrturm in der Stadtmauer aus dem späten 13. oder frühen 14. Jahrhundert, ist damit eines der ältesten Bauwerke der Stadt Korbach und ihr Wahrzeichen.

Der Tylenturm, ein mittelalterlicher Wehrturm in der Stadtmauer der Stadt Korbach
Der Tylenturm, ein mittelalterlicher Wehrturm in der Stadtmauer der Stadt Korbach

Berühmt ist die Stadt auch wegen der Korbacher Spalte, bei der es sich um eine ergiebige Fossilienfundstätte handelt, in der Reste von Sauriern und Vorfahren der Säugetiere aus der Permzeit gefunden wurden. Diese können heute im Wolfgang-Bonhage-Museum bewundert werden. Hierbei handelt es sich um ein Bauwerk mit sehr moderner Architektur. Diese ist auch typisch für das Stadtzentrum, das zum Glück aber nur zum Teil mit der Altstadt übereinstimmt und bis zum nördlich davon liegenden Bahnhof reicht. Das Aussehen der jüngeren Bauwerke ist nämlich meist weniger gelungen. Es steht deshalb im starken Kontrast zur ansonsten sehr reizvollen Idylle in der Innenstadt.

Altstadt in Korbach
Altstadt in Korbach

Auf dem Marktplatz gönne ich mir ein alkoholfreies Weizenbier und schnaufe ein wenig durch. Denn noch liegen rund 60 Kilometer vor mir. Nach einer halben Stunde verlasse ich Korbach in nördlicher Richtung auf der B252 in Richtung Paderborn. Die Bundesstraße ist sehr breit ausgebaut, sodass der Verkehr gut überholen kann.

Bad Arolsen

Nach etwa 75 Kilometern und gut vier Stunden Fahrzeit fahre ich in Bad Arolsen ein. Eigentlich ist hier die Mittagspause eingeplant, aber irgendwie will sich einfach kein Lokal finden lassen. Deshalb bleibt nur ein kurzer Fotostopp.

Evangelische Stadtkirche in Bad Arolsen
Evangelische Stadtkirche in Bad Arolsen

Anschließend radle ich weiter am östlichen Rand des Sauerlandes, westlich vorbei an Warburg bis zum nächsten Fotostopp bei Kilometer 103.

Wasserschloss Borlinghausen

Schloss Borlinghausen ist ein 1587 erbautes Wasserschloss in Borlinghausen, einem Ortsteil der Gemeinde Willebadessen im Kreis Höxter. Es befindet sich heute in Besitz der Freiherren von Weichs. Der älteste Teil des bestehenden Schlosses wurde vor 1411 errichtet, denn in jenem Jahr belehnten die Grafen von Waldeck den Ritter Gerd von Spiegel zu Peckelsheim mit Dorf, Burg und Kirchlehen in Borlinghausen. Im Erbgang ging Borlinghausen an Werner von Spiegel, der bereits 1567 Nachfolger seines Vaters als Erbmarschall des Fürstbischofs von Paderborn geworden war. Er ließ sich die Burg im Stil der Weserrenaissance wesentlich vergrößern. Laut einer Inschrift wurde der Bau 1587 beendet.

Wohngebäude des Wasserschlosses Borlinghausen
Wohngebäude des Wasserschlosses Borlinghausen

Zielankunft in Willebadessen

Nach 109 Kilometern, 1145 Höhenmetern und etwa viereinviertel Stunden Fahrzeit erreiche ich meine Unterkunft in Willebadessen. Dies ist das velcrea Hotel. Eine weitere Sehenswürdigkeit auf der heutigen Etappe schaue ich mir allerdings erst nach der Ankunft an und zwar zu Fuß.

Schloss und Kloster in Willebadessen

Das Benediktinerinnenkloster Willebadessen wurde 1149 gegründet. Ludolph von Oesede stiftete das Kloster im Jahre 1149 und vermachte seinen umfangreichen Besitz dem Kloster. Die letzten Lebensjahre verbrachte er mit seiner Frau Imma im Kloster, in dem seine sechs Töchter als Ordensfrauen lebten.

Konventsgebäude im Schloss und Kloster Willebadessen
Konventsgebäude im Schloss und Kloster Willebadessen

Der Propst des Klosters verlieh dem Ort schon 1318 städtische Rechte und Statuten. Die Siedlung Willebadessen verblieb auch nach der Verleihung der Stadtrechte im Jahr 1317 in der Abhängigkeit des Klosters. Als Stadtherr übte der Propst des Klosters auch die niedere Gerichtsbarkeit aus.

Nebengebäude im Schloss und Kloster Willebadessen
Nebengebäude im Schloss und Kloster Willebadessen

Während seiner wechselvollen Geschichte erlebte das Kloster immer wieder Blütezeiten, in denen Neu- oder Umbauten vorgenommen wurden, und Phasen des Niedergangs. So auch zuletzt im Jahr 1810, in dem die Zugehörigkeit des Klosters zum Königreich Westphalen aufgehoben wurde. Damals lebten dort außer der Äbtissin noch zwölf Chorschwestern und fünf Laienschwestern. Diese erhielten eine Pension und lebenslanges Wohnrecht im Konventsgebäude.

Klosterkirche in Willebadessen
Klosterkirche in Willebadessen

Die Klosterkirche wurde 1830 zur Pfarrkirche des Ortes Willebadessen. Nach verschiedenen anderen Besitzern erwarb 1871 die Familie von Wrede die sonstigen Klosteranlagen. Sie wurden 1977 an die Stiftung Europäischer Skulpturenpark übertragen. In den Gebäuden fanden in der Folge vielbeachtete Ausstellungen statt. Da die Stiftung die Unterhaltskosten für das Kloster nicht mehr tragen konnte, erfolgte zum Jahreswechsel 2016/17 die Rückübertragung an Konstantin Freiherr von Wrede.

Klosterkirche in Willebadessen
Klosterkirche in Willebadessen

Etwas außerhalb des Ortes liegt oberhalb auf einem Hügel die kleine Vitus-Kapelle, die den kurzen, aber steilen Aufstieg durchaus lohnt.

Vitus-Kapelle oberhalb von Willebadessen
Vitus-Kapelle oberhalb von Willebadessen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.