Chiang Mai (เชียงใหม่)

Die Einfahrt nach Chiang Mai selbst ist nach der Stille und Beschaulichkeit in Mae Hong Son erst einmal ein Schock auf Grund des starken Verkehrs. Immerhin leben in und um Chiang Mai knapp 3 Millionen Menschen. Aber daran gewöhnen wir uns schnell und schwimmen dann einfach im chaotischen Verkehr mit.

TukTuk in Chiang Mai
TukTuk in Chiang Mai

Interessant ist, dass die TukTuk-Fahrer (der Name stammt vom Geräusch, das die Fahrzeuge machen) nicht irgendwann von ihren Fahrzeugen fallen, denn die Abgase stehen überall in der Stadt und ziehen auch nachts nicht wirklich ab. Und das bei durchgängigen Temperaturen jenseits der 30-Grad-Marke.

Hotel Empress Chiang Mai

Unser Hotel, das Empress Chiang Mai, liegt etwas südöstlich der Altstadt und dem Stadtzentrum. Unser Zimmer ist ausreichend groß, ordentlich eingerichtet und mit Blick auf den Menam Ping, dem Fluß, der sich durch Chiang Mai schlängelt.

ZImmer im Hotel Empress Chiang Mai
ZImmer im Hotel Empress Chiang Mai

Sehenswürdigkeiten Chiang Mai‘s

Den ersten Tag in Chiang Mai nutzen wir für eine ausgedehnte Sightseeing-Tour, überwiegend zu Fuß, aber auch mal mit dem TukTuk.

Wat Chiang Man (5. November 2006)

Sie beginnt mit dem Tempel Wat Chiang Man. Dieser ist der älteste Tempel in Chiang Mai. Seine Gründung reicht bis ins Jahr 1296 zurück. Es heißt, König Mengrai soll hier um 1300 residiert haben, während die neue Hauptstadt für sein Lan Na-Königreich aufgebaut wurde.

Zwei Viharns (วิหาร; Versammlungsraum) finden sich auf dem Gelände des Tempels. Der größere der beiden ist ein beeindruckendes Gebäude im Lanna-Stil mit einem dreistöckigen Dach. Seine Vorderseite ist mit Holzschnitzereien in Gold- und Ockerfarben verziert. Das Gebäude wurde in den 1920er Jahren von dem berühmten Mönch Khru Ba Srivichai renoviert. Dieser Viharn beherbergt zwei der berühmtesten Buddha-Statuen Chiang Mai’s.

Zum einen die älteste Buddha-Statue in Chiang Mai, eine aus Indien stammende Marmor-Figur im Flachrelief aus dem 8. Jahrhundert. Zum anderen Phra Sae Tang Khamani, eine kleine vor über 1.000 Jahren aus Bergkristall geschnittene Buddha-Statue mit goldenen Haaren, die Chama Thewi, Königin von Hariphunchai im 8. Jahrhundert gehört haben soll. Als am Ende des 13. Jahrhunderts König Mengrai von Chiang Mai belagerte und Hariphunchai verbrannte, überlebte die Phra Sae Tang Khamani Statue die Zerstörung und seitdem werden ihr Schutzkräfte zugesprochen.

Die Bevölkerung verehrt beide als Regenspender und trägt sie während der Songkran-Festlichkeiten Mitte April in einer Prozession durch die Stadt.

Der Ubosot (พระอุโบสถ, Gebetshalle) stammt aus dem 19. Jahrhundert. Die vordere Fassade des Bot ist mit wunderschön geschnitzten Holzdetails in ockerfarbenen Farben verziert.

Der Ubosot (Gebetshalle) im Wat Chiang Man Tempel
Der Ubosot (Gebetshalle) im Wat Chiang Man Tempel

Die Ho Trai (หอไตร, Bibliotheksgebäude) ist ein kleines Holzgebäude auf einem weißen steinernen Sockel, um die heiligen Schriften vor Überschwemmungen und Schädlingen zu schützen.

Die Ho Trai (Bibliothek) im Wat Chiang Man Tempel
Die Ho Trai (Bibliothek) im Wat Chiang Man Tempel

Wat Phan Tao

Der Wat Phan Tao ist einer der älteren Tempel von Chiang Mai im alten ummauerten Zentrum der Stadt. Die ersten Gebäude stammen wahrscheinlich aus dem ausgehenden 14. Jahrhunderts.

Wat Phan Tao bedeutet „Tempel der tausend Brennöfen“. Sein Name leitet sich wahrscheinlich von den Öfen ab, in denen Buddha-Figuren für den direkt nebenan stehenden Tempel, den Wat Chedi Luang, gebrannt wurden.

Der Viharn des Wat Phan Tao war ursprünglich ein Ho Kham, ein Thronsaal für einen der Könige von Chiang Mai. Nachdem ein neuer König den Thron bestieg, wurde die Palasthalle höchstwahrscheinlich abgerissen, um Platz für ein neues Palastgebäude zu schaffen. Die Bretter des alten Gebäudes wurden wiederverwendet, um daraus den Viharn des Wat Phan Tao im Jahre 1876 zu bauen.

Der Viharn ist ein Gebäude komplett aus Teakholzbrettern, das auf einer Steinbasis steht. Es ist eines der wenigen seiner Art in Chiang Mai. Der Viharn besitzt ein dreistöckiges Dach mit goldfarbigen Chofah (ช่อฟ้า, Dachabschlüsse) geformt als stilisierte Naga-Schlangen.

Der Viharn (Versammlungsraum) im What Phan Tao Tempel
Der Viharn (Versammlungsraum) im What Phan Tao Tempel

Im Inneren des Viharns stützen große, rot bemalte Teakholzpfosten das Gebäude. Lange gewebte Banner hängen von der Decke. Gegenüber dem Eingang sitzt ein großer goldener Buddha. Das Innere des Viharns enthält einige interessante Gegenstände. Unter ihnen ist eine Anzahl von alten Holzkisten, die alte mit Blattgold verzierte Dhamma-Texte enthalten. Das sind buddhistische Texte, die auf Palmblättern geschrieben sind. Auf der linken Seite ist ein kunstvoll geschnitzter hölzerner Ku, ein Buddha-Thron.

Wat Chedi Luang

Der Wat Chedi Luang stammt aus dem Ende des 14. Jahrhunderts. Dessen Chedi erreichte nach jahrelangen Erweiterungen im Jahre 1475 eine Höhe von mehr als 80 Metern. Damit war er für Jahrhunderte das höchste Gebäude in Chiang Mai.

Chedi im Wat Chedi Luang
Chedi im Wat Chedi Luang

Ein großes Erdbeben im Jahr 1545 zerstörte den Chedi teilweise, jedoch sind die Reste immer noch gewaltigen Ausmaßes, obwohl rund 30 Meter in der Höhe fehlen. Der Wat Chedi Luang beherbergt eine Säule, die Sao Inthakin, von der die Menschen glauben, sie schütze die Stadt vor Unglück.

Wat Phra Sing (วัดพระสิงห์วรมหาวิหาร)

Es gibt mehrere prächtige und sehr alte Tempel in der ummauerten Altstadt von Chiang Mai, wobei der Wat Phra Singh einer der attraktivsten ist. Der Tempel in der westlichen Altstadt, der auch als „Der Tempel des Löwen-Buddha“ bekannt ist, ist ein sehr belebter Tempel mit Hunderten von Mönchen und Novizen, die dort leben.

Der Wat Phra Singh beherbergt eine Reihe von hoch verehrten und sehr alten Buddha-Statuen. Der Tempel stammt aus dem 14. Jahrhundert, als Chiang Mai die Hauptstadt des Lanna-Königreichs war, und ist eines der schönsten Beispiele der klassischen Lanna-Tempelarchitektur in Nordthailand. König Pha Yu gründete 1345 den Tempel, in dem er einen Chedi errichtete, um die Asche seines Vaters beizusetzen. Später wuchs die Anlage um einen Viharn und weitere Gebäude. Den Namen und seine Bedeutung erhielt der Tempel durch den Phra Phuttha Sihing, eine Buddha-Statue, deren genaue Herkunft ungewiss ist.

Bemalte Tür im Lanna-Stil im Wat Phra Sing Tempel
Bemalte Tür im Lanna-Stil im Wat Phra Sing Tempel

Eines der besten Beispiele des Lanna-Stils ist der Viharn Lai Kham. Diese Versammlungshalle wurde am Ende des 14. Jahrhunderts gebaut. Das sehr kunstvolle Äußere des Viharn Lai Kham ist in typischen Lanna-Gold- und Ockerfarben dekoriert.

Viharn Lai Kham im Lanna-Stil im Wat Phra Sing Tempel
Viharn Lai Kham im Lanna-Stil im Wat Phra Sing Tempel

Der Viharn aus Teakholz hat eine dreistöckige Dachkonstruktion, deren Unterkanten mit goldenen Chofahs verziert sind.

Chofahs am Wat Phra Sing Tempel
Chofahs am Wat Phra Sing Tempel
Buddha-Statue im Wat Phra Singh Tempel
Buddha-Statue im Wat Phra Singh Tempel

Die Ho Trai des Wat Phra Sing Tempels ist ein weiteres hervorragendes Beispiel für die Lanna-Architektur.

Ho Trai im Wat Phra Sing Tempel
Ho Trai im Wat Phra Sing Tempel

Der Tempelkomplex beherbergt ferner mehrere kleinere Chedis, Wohnquartiere und ein kleines Gebäude mit einem liegenden Buddha.

Liegender Buddha im Wat Phra Sing Tempel
Liegender Buddha im Wat Phra Sing Tempel

Wat Doi Suthep (6. November 2006)

Unser nächster Ausflug führt uns zum Haus- und Tempelberg Chiang Mai’s – dem Doi Suthep. Dieser erhebt sich etwa 1.500 Meter über der Stadt und beherbergt eine bedeutende Tempelanlage. Die Anlage ist sehr weitläufig, aber hunderte Touristen und Gläubige lassen sie eher klein wirken. Die Aussicht und die friedliche Atmosphäre des Platzes allein sind den Besuch wert.

Vom Parkplatz aus steigen wir die 309 Stufen der Treppe hoch, die von riesigen Nagas flankiert wird. Nagas sind Unterwasser-Kreaturen aus der buddhistischen Mythologie in Form großer Schlangen und sehr häufig als Wächterfiguren an buddhistischen Tempeln anzutreffen.

Innenhof im Wat Doi Suthep Tempel
Innenhof im Wat Doi Suthep Tempel

Die Legende vom weißen Elefanten

Nach einer Legende hatte König Guena den ceylonesischen Mönch Sumana eingeladen, damit er seine Lehre des (Theravada-)Buddhismus im Lanna-Reich verbreitete. Als Gastgeschenk brachte Sumana eine Reliquie mit, die sich im Wat Suan Dok, wo sie einen Platz erhalten sollte, in zwei Teile spaltete. Der kleinere Teil blieb im Wat Suan Dok, während man für den größeren Teil einen angemessenen heiligen Platz suchte. Deshalb wurde die Reliquie auf dem Rücken eines weißen Elefanten befestigt, der frei gelassen wurde. Dieser marschierte in die Berge hinauf bis an die Stelle des heutigen Wat Doi Suthep.

Daraufhin wurde im Jahre 1368 der erste Chedi des Wat Phra That Doi Suthep gebaut, um die heilige Reliquie aufzunehmen. Seitdem ist der Tempelkomplex erheblich gewachsen. An der Spitze der Treppe steht eine Statue des weißen Elefanten, der den Ort des Tempels bestimmt hat.

Chedi des Wat Phra That Doi Suthep Tempels
Chedi des Wat Phra That Doi Suthep Tempels

Im Zentrum steht ein goldener, 45 Meter hoher Chedi, um den sich die unterschiedlichsten Buddha-Statuen und Gebäude gruppieren. Von hier oben hat man einen tollen Ausblick auf die tiefer gelegene Stadt und das Tal des Menam Ping.

Lamphun (ลำพูน)

Nachdem wir ein Weilchen hier verbrachten und ein frühes Mittagessen einnehmen, fahren wir weiter nach Lamphun, um uns dort einen der ältesten Tempel der Gegend anzusehen. Auf dem Weg dorthin halten wir an einem sehr schönen Tempel in einem kleinen Dorf, dessen Namen wir nicht wissen, da wir die Schilder in Thai nicht lesen können.

Temepl an der Straße von Chiang Mai nach Lamphun
Temepl an der Straße von Chiang Mai nach Lamphun

Auf der Weiterfahrt haben wir allerdings Mühe, den Weg nach Lamphun zu finden, da wir nicht über die für Touristen auch in Englisch ausgeschilderte Hauptstraße fahren, sondern Nebenstrecken nutzen. Die Straßenschilder sind nur auf Thai, so dass uns trotz unserer zweisprachigen Straßenkarte die genaue Ortsbestimmung schwer fällt. Es kommt schließlich, wie es kommen muss. Wir verfahren uns und wissen nicht mehr, wo wir sind.

Lost at the Road to Lamphun
Lost at the Road to Lamphun

Aber in einem kleinen Dorf, in dem gerade ein Fest an einem kleinen Fluss im Gange ist, kann ich zwei älteren Damen irgendwie zumindest die ungefähre Richtung nach Lamphun entlocken. Sie sind auf jeden Fall sehr freundlich, vor allem nachdem ich sie auf Thai begrüße. Sie geben mir – vermute ich – eine sehr ausführliche Wegbeschreibung auf Thai, von der ich allerdings nur den Wink mit dem Arm in eine bestimmte Richtung verstehe. Wir folgen dieser gedanklichen Linie, so gut es der Straßenverlauf zulässt, und gelangen schließlich nach Lamphun.

Lamphun ist eine der ältesten Städte Thailands. Sie wurde 660 als Hauptstadt des Mon-Königreichs Hariphunchai gegründet.

Wat Phra That Hariphunchai (วัดพระธาตุหริภุญชัยวรมหาวิหาร)

Davon zeugt vor allem der sehenswerte Wat Phra That Hariphunchai mit seinem 46 Meter hohen, vergoldeten Chedi im Lanna-Stil, der eine Reliquie enthält. Der Bau des Chedi begann 897, der Wat stammt aus dem Jahr 1157 und ist eines der wenigen verbliebenen Beispiele der Mon-Architektur in Thailand.

Chedi im Lanna-Stil im Wat Phra That Hariphunchai
Chedi im Lanna-Stil im Wat Phra That Hariphunchai

Interessant ist auch der baufällige Suwanna Chedi im Mon-Stil in der Nordwestecke, der aus dem frühen 15. Jahrhundert stammt. Ursprünglich war der Ziegelstupa mit Stuck bedeckt, von dem wenig erhalten ist. Der Chedi (oder auch Stupa) enthält insgesamt 60 Nischen, in denen Buddha-Statuen standen, von denen die meisten heute jedoch fehlen.

Suwanna Chedi im Wat Phra That Hariphunchai
Suwanna Chedi im Wat Phra That Hariphunchai

Der Hauptviharn Luang wurde 1925 wieder aufgebaut. Das Gebäude hat eine beeindruckende, sehr kompliziert verkleidete Fassade und ein mehrstufiges Dach. Im Inneren des Viharns, der mit schönen lai kham Dekorationen geschmückt ist, stehen einige sehr alte Buddha-Statuen, darunter ein hoch verehrtes Bild namens „Buddha mit scharfen Schienbeinen“, eine große sitzende Buddha-Statue im Lanna-Stil aus dem Jahr 1489.

Viharn im Wat Phra That Hariphunchai
Viharn im Wat Phra That Hariphunchai

Rechts neben dem Eingang finden sich in einem kleinen Gebäude hervorragende Wandmalereien, die man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte.

Warorot Markt in Chaing Mai

Am Abend essen wir auf dem Warorot Market, der noch ursprünglicher (und auch ein bisschen preiswerter) ist als der inzwischen sehr touristische Chiang Mai Night Market.

Loi Krathong

Anschließend gehen wir zur Narawat Brücke, die sich über den Menam (Fluss) Ping spannt, um das Treiben während des Loi Krathong Festes mitzuverfolgen. Dieses Fest findet immer am ersten Vollmond im November statt. Dazu werden kleine Blumenflöße mit Orchideenblüten und Räucherstäbchen, die auf einer Scheibe eines Bananenstammes befestigt sind, ins Wasser gesetzt.

Blumenflöße für Loi Krathong in Chiang Mai
Blumenflöße für Loi Krathong in Chiang Mai

Damit werden alle „Sünden“ des vergangenen Jahres sozusagen wortwörtlich fortgespült und Wünsche, die man dem Floss gedanklich mitgibt, gehen eher in Erfüllung. Auch wir folgen diesem Brauch und befreien uns von all unseren Sünden.

Wir spülen unsere Sünden mit diesem Blumenfloß den Fluß hinunter
Wir spülen unsere Sünden mit diesem Blumenfloß den Fluß hinunter

Dazu werden teils mannshohe Lampions aus Reispapier in die Luft entlassen.

Lampions aus Reispapier werden zu tausenden in den Nachthimmel entlassen
Lampions aus Reispapier werden zu tausenden in den Nachthimmel entlassen

Je nach Qualität des Papiers und des Brenners fliegen die Lampions mehrere hundert Kilometer weit. Oder stürzen direkt in den Fluss. Eine ganze Weile sehen wir dem bunten Treiben am östlichen Flussufer zu und genießen die Volksfeststimmung. Am schönsten ist es, als langsam die Dämmerung hereinbricht und die Lampions den Fluss und den Himmel in ein warm funkelndes Lichtermeer verwandeln. Dazu die vielen Blumenflösse auf dem Wasser und die Garküchen und Stände im Rücken. Das hat beinahe etwas Surreales. Irgendwann beginnen die Kinder und Jugendlichen von einer Brücke Böller zu werfen und Raketen zu zünden. Bis weit nach Mitternacht dauert das Feuerwerk. Aber damit ist das Loi Krathong Fest noch nicht vorbei – wie wir ursprünglich dachten. Denn am nächsten Abend gibt es einen Festumzug mit vielen verschiedenen Wagen und Tanzgruppen quer durch die Stadt. So etwas Farbenprächtiges habe ich noch nicht oft gesehen. Das ist für die Augen und das Gehirn eine wahre Reizüberflutung.

Farbenfroher Umzug an Loi Krathong in Chiang Mai
Farbenfroher Umzug an Loi Krathong in Chiang Mai