Chiang Rai (เชียงราย)

Anfahrt nach Chiang Rai (7. November 2006)

Der direkte Weg von Chiang Mai nach Chiang Rai beträgt ungefähr 180 Kilometer über die Schnellstraße und man benötigt rund drei Stunden für die Strecke. Chiang Rai ist mit rund 136.000 Einwohnern eine eher kleine Stadt. Das Umland ist sehr interessant, da hier viele Bergvölker wie die Akha mit ihrem traditionellen Silberschmuck, die Hmong mit ihren Haartrachten, die Karen oder die Lahu leben.

Chiang Rai

Die nördlichste Provinz Thailands Chiang Rai ist das Tor zum sagenumwobenen Goldenen Dreieck, dem Dreiländereck von Thailand, Laos und Myanmar. Auf abenteuerlichen Trekking-Touren durch die oftmals mystisch mit Nebel verhangenen Berge und durch dichte Wälder eröffnet sich Besuchern die vollkommene Schönheit der Provinz. Die zerklüfteten Gebirgszüge Chiang Rais mit ihrem satten Regenwald erweisen sich zugleich auch als buntes Mosaik aus Stammesvölkern, von denen die Hmong, Lahu, Lisu, Akha oder Karen zu den bekanntesten zählen. Diese ethnischen Minderheiten verfügen alle über ihre eigenen Sprachen, Trachten und Gebräuche – das handwerkliche Geschick für Stickereien, Webwaren, Silberarbeiten oder Holzschnitzereien ist ihnen jedoch gemein. Satte, grüne Reisfelder prägen die Landschaft Chiang Rais – und so wundert es kaum, dass die Provinz zu den wichtigsten Reislieferanten des Landes gehört. An vielen Orten Chiang Rais finden Besucher idyllisch gelegene und besonders stilvolle Boutique-Resorts mit herrlichem Ausblick, eigenen Wellness-Oasen oder hervorragenden Restaurants mit authentisch nordthailändischer Küche.

Die gleichnamige Provinzhauptstadt Chiang Rai mit ihrer malerischen Lage am Ufer des Flusses Kok und vielen jahrhundertealten Sehenswürdigkeiten ist der ideale Ausgangspunkt, die Schönheiten der Provinz zu entdecken; liegen doch die interessanten Ziele nicht mehr als einen Tagesausflug weit entfernt. Aber auch die beschauliche Stadt selbst, die bereits 1262 von König Mengrai gegründet wurde, versprüht einen ganz besonderen Charme.

Sehenswürdigkeiten Chiang Rai‘s

Doch zunächst zu den Sehenswürdigkeiten Chiang Rai’s.

Wat Phra Kaeo (10. November 2006)

Der Wat Phra Kaeo ist ein Königlicher Tempel und einer der ältesten in der Stadt. Obwohl das genaue Gründungsjahr nicht bekannt ist, wird es zumindest auf das Ende des 14. Jahrhunderts zurückdatiert.

In der thailändischen Geschichte nimmt der Tempel einen wichtigen Platz ein, da hier im Jahre 1434 der Smaragd-Buddha entdeckt wurde, nachdem ein Blitz in den Chedi einschlug. Der Smaragd-Buddha oder Phra Kaeo Morakot ist das am meisten verehrte Buddha-Bild im Land, das sich jetzt im Wat Phra Kaeo Tempel auf dem Gelände des Grand Palace (Königspalast) in Bangkok befindet.

Die Geschichte des Smaragd-Buddhas

Der Ursprung des Smaragd-Buddhas ist nicht mit Sicherheit bekannt. Eine Legende besagt jedoch, dass die Statue vor über 2.000 Jahren in Indien entstand und danach über Sri Lanka nach Kambodscha gelangte.
Gegen Ende des 14. Jahrhunderts kam das Bild nach Nordthailand. Der König von Chiang Rai beschloss, das Bild im Chedi des Wat Phra Kaeo zu verstecken, der damals als Wat Pa Yier bekannt war, was Bambuswaldtempel bedeutet.

Wat Phra Kaeo in Chiang Rai
Wat Phra Kaeo in Chiang Rai

Im Jahre 1434 schlug während eines Sturms ein Blitz im Chedi ein, der ihn beschädigte. Einige von dem Stuck kamen aus, um das Buddha-Bild zu enthüllen. Als die Leute glaubten, das Bild sei aus Smaragd (es ist eigentlich grüner Jade), nannten sie den Smaragd-Buddha oder mit seinem offiziellen Namen der Phra Kaeo Morakot. Der Name des Tempels wurde dann in seinen heutigen Namen Wat Phra Kaeo geändert.

Nicht lange nach der Entdeckung des Smaragd-Buddhas befahl König Sam Fang Kaen die Statue nach Chiang Mai, Hauptstadt des Lanna-Königreichs, zu bringen. Sie wurde auf dem Rücken eines Elefanten transportiert, der jedoch seinen eigenen Kopf hatte und die Statue nach Lampang brachte.

Nachdem dies dreimal geschah, beschloss der König, die Statue in Lampang zu belassen. Eine weiße Statue des Elefanten, der die Statue trug, kann heute noch im Wat Phra Kaeo Don Tao Tempel besichtigt werden. Seitdem wanderte der Smaragd-Buddha häufig umher, bis er im Wat Phra Kaeo Tempel im Grand Palace in Bangkok seine heutige Heimat fand.

Heute steht im Wat Phra Kaeo Tempel in Chiang Rai nur noch eine Kopie des originalen Smaragd-Buddha. Die Kopie, die dem Original sehr nahe kommt, entstand zu Ehren des 90. Geburtstags von Prinzessin Srinagarindra, der Prinzessin-Mutter. Die Replik, die aus Jade in China geschnitzt wurde, steht seit 1991 im Ubosot des Tempels. Sie ist etwas kleiner als das Original, das etwa 45 Zentimeter hoch ist.

Details im Wat Phra Kaeo Tempel in Chiang Rai
Details im Wat Phra Kaeo Tempel in Chiang Rai

Wat Phra Sing

Einer der ältesten Tempel von Chiang Rai, der Wat Phra Singh, wurde im Jahre 1385 erbaut, ein wenig mehr als ein Jahrhundert, nachdem die Stadt Chiang Rai von König Mengrai im Jahre 1262 gegründet wurde. Die Hauptgebäude des Lanna-Tempels sind der Ubosot, der Viharn, eine Kapelle mit einem Fußabdruck des Buddha und der Kuti (die Mönchswohnquartiere).

Der Viharn ist ein typisches im Lanna-Stil gehaltenes Gebäude mit einem mehrstufigen Dach und Naga-dekorierten Geländern. Den Eingang zum Viharn auf beiden Seiten der Treppe bewachen weiße und goldene Löwenfiguren, die in Thai Singha (wie das gleichnamige Bier) genannt werden. Die Tafeln der Fassade sowie die Holztüren schmücken wunderschöne Lanna-Blumenmotiven und Thewada-Figuren, die eine Art himmlische Wesen sind. Über beiden Türen links und rechts der Treppe sieht man Pfauenfiguren. Die Wände des Viharns sind mit Wandmalereien verziert.

Wat Phrathat Doi Chom Thong

Wat Rong Khun

Unweit der Stadt liegt auch das beeindruckende Kunstwerk des thailändischen Künstlers Chalermchai Kositpipat, der weiße Tempel Wat Rong Khun.

Doi Tung und die Akha (8. November 2006)

Aber auch die Landschaften selbst reizen zu mehreren Fahrten in die Umgebung von Chiang Rai. Unser erster Ausflug führt uns am frühen Morgen zum Doi Thung, wobei jedoch nicht der Gipfel das Ziel ist, sondern die Fahrt dorthin selbst – wie bereits Konfuzius zu sagen pflegte.

Zu den Tempeln Wat Phra That Doi Tung (วัดพระธาตุน้อยดอยตุง) auf dem Berggipfel führt ein von auf beiden Seiten mit Glocken gesäumter, leicht ansteigender Pfad.

Ein von Glocken eingerahmter Weg zum Wat Phra That Doi Tung
Ein von Glocken eingerahmter Weg zum Wat Phra That Doi Tung

In einem etwas abseits stehenden, nach allen Seiten hin offenen Gebäude, hängt eine große Glocke, die man läuten kann, wenn man es schafft, sie zu bewegen.

Buddha-Statue im Wat Phra That Doi Tung Tempel
Buddha-Statue im Wat Phra That Doi Tung Tempel

Auf dem Rückweg nehmen wir die alte Straße, die sich nicht ganz so gut wie die neue fährt. Jedoch kommen wir so am Royal Palace vorbei, vor dem Unmengen von Touristen auf Einlass warten.

Weiter bergab halten wir in einem Dorf der Akha. Dieses Bergvolk ist leicht an seinem Silberschmuck und den farbenfrohen Beinstulpen zu erkennen. Im Dorfzentrum stehen einige Frauen um einen „fahrenden“ Metzger herum, begutachten die mitgebrachte Ware und feilschen um jeden Baht.

Angehörige vom Bergvolk der Akha umgeben einen "fahrenden" Metzger
Angehörige vom Bergvolk der Akha umgeben einen „fahrenden“ Metzger

Auch sehen wir die traditionell auf Pfählen errichteten Holzhäuser.

Traditionell auf Stelzen erbautes Haus der Akha
Traditionell auf Stelzen erbautes Haus der Akha

Grenzerfahrungen in Mae Sai

Einen weiteren Stopp legen wir im Grenzörtchen Mae Sai ein, das nur durch einen schmalen Fluss von Myanmar getrennt ist. Von der Terrasse eines direkt am Fluss liegenden Restaurants haben wir einen guten Blick auf den Grenzverkehr und können uns so ein Bild davon machen, dass nicht nur der schmale Fluss beide Länder trennt. Am offensichtlichsten wird die unterschiedliche wirtschaftliche Entwicklung beider Länder am Warenstrom, der hauptsächlich von Myanmar nach Thailand fließt. Auch an der Art der Transportmittel werden Unterschiede deutlich: während auf thailändischer Seite überwiegend motorisierte Fahrzeuge unterwegs sind, werden auf burmesischer Seite alle Waren zu Fuß, auf dem Rad oder dem Ochsenkarren transportiert.

Blick auf die Grenze zwischen Thailand und Myanmar in Mae Sai
Blick auf die Grenze zwischen Thailand und Myanmar in Mae Sai

Nach dem Essen schlendern wir ein wenig über den Markt, um uns einen Eindruck über die von burmesischer Seite mitgebrachten Waren zu verschaffen. Bei den meisten Dingen handelt es sich um Güter des täglichen Bedarfs oder Souvenirs. Viele Thais leben vom Handel mit Gütern oder dem Angebot von Dienstleistungen. Da es meist auf engem Raum viele Händler mit dem gleichen Warenangebot gibt, teilen sich diese die wenigen Kunden. So besteht die Hauptbeschäftigung im Warten auf einen Kaufwilligen, das aber durch die Unterhaltung mit anderen Geschäftsleuten oder Nachbarn verkürzt wird. Aber die Thais sind in dieser Hinsicht – wie fast alle Asiaten – ziemlich geduldige Menschen.

Ganz im Gegensatz zum Straßenverkehr. Sobald die Thais in einem Fahrzeug sind, wird das Gewand der Gelassenheit abgelegt und das andere Ich kommt zum Vorschein. Letzten Endes fahren Thais genau wie europäische Städter: Der Stärkste oder Schnellste gewinnt. Das wird auch in der Hierarchie der Straße offensichtlich. Auf oberster Stufe stehen die LKWs und Busse, danach folgen die unzähligen Pick-ups, anschließend kommt lange nichts, dann Motorräder, dann wieder sehr lange nichts und danach alle Unmotorisierten wie Fahrräder, Ochsenkarren und Fußgänger. Dementsprechend schwierig ist es auch, manchmal eine Straße in größeren Orten zu überqueren. So auch die sechsspurige Hauptstraße in Mae Sai.

Mae Salong (แม่สลอง) (9. November 2006)

Der nächste Tagesausflug führt durch die Berge rund um Mae Salong. Die Landschaft punktet mit giftig grünen Reisfeldern, Maisfeldern und kleinen Dörfern, die sich an sanfte Hänge schmiegen. Mae Salong ist kein schöner Ort, aber immerhin essen wir hier gut und legen eine kurze Pause mit Blick auf den von Bergvölkern beherrschten Markt ein.

Frau des Bergvolkes der Akha
Frau des Bergvolkes der Akha

Einen traditionellen Kornspeicher, ein überdachtes auf Holzpfählen stehendes „Gatter“, erblicken wir am Straßenrand.

Traditioneller Kornspeicher der Akha
Traditioneller Kornspeicher der Akha

Daneben finden wir natürlich auch den ein oder anderen schönen Tempel.

Nachtmarkt in Chiang Rai

Unser letzter Tag in Chiang Rai steht ganz im Zeichen der Erholung. So besichtigten wir am Vormittag die wichtigsten Tempel der Stadt, um am Nachmittag zu chillen und E-Mails zu lesen. Abends geht’s wie üblich auf den Nachtmarkt, auf dem wir wieder lecker essen.

Abends unterwegs in Chiang Rai
Abends unterwegs in Chiang Rai

Unter anderem probiere ich einen Bamboo Worm, der aber nach reichlich Spülung verlangt, weil ziemlich trocken.

Gewöhnungsbedürftiges Angebot auf dem Nachtmarkt in Chiang Rai
Gewöhnungsbedürftiges Angebot auf dem Nachtmarkt in Chiang Rai

 

Leckeres Essen auf dem Nachtmarkt in Chiang Rai
Leckeres Essen auf dem Nachtmarkt in Chiang Rai

Chiang Rai’s Nachtmarkt ist für mich einer der schönsten auf unserer Reise, da hier das Flair und das Angebot sowie das Preis-Leistungsverhältnis stimmen. Er ist noch ursprünglicher als in Chiang Mai, aber vielfältiger als in Mae Hong Son. Vor allem wird man verstanden, da sich hier doch etliche Touristen mehr tummeln als beispielsweise in Mae Hong Son und so ausreichend Englischkenntnisse vorhanden sind.