Die Bergvölker in Thailands Norden

Die Bergvölker in Thailands Norden sind Minoritäten und werden umgangssprachlich auch als Hill tribes bezeichnet. Die meisten von ihnen sind Nomaden und stammen aus Tibet und China. Traditionell betreiben sie Brandrodungsfeldbau. Viele kahle Berghänge in Nord-Thailand zeugen von dieser verschwenderischen Anbaumethode. Wenn das Land ausgelaugt ist – Düngung des Bodens ist weitgehend unbekannt –, ziehen die Hilltribes weiter.

Die bekanntesten unter ihnen sind die Akha, Hmong, Karen, Lahu, Lisu und Padaung (Langhalsfrauen). Jeder Stamm hat seine eigene Kultur, seine eigenen Trachten und seine eigene Sprache, die nur in der gesprochenen Form existiert. All diese Stämme kennen weder eine Stammesorganisation mit einem Stammesführer noch soziale Klassen. Nur die Dorfgemeinschaft mit dem Dorfoberhaupt spielt eine Rolle.

Obwohl viele Bergvölker zum Buddhismus und zum Christentum konvertierten, sind sie ursprünglich Animisten. Der Animismus ist ein Glaube, in dem nicht nur Menschen, sondern auch Tiere, Pflanzen, Berge, Flüsse und andere natürliche Gegenstände eine Seele besitzen. Diesen Glauben haben sie nie ganz abgelegt.

Ein Teil der Bergvölker baute Mohn zur Opiumgewinnung an, vor allem im Goldenen Dreieck, das einst das Zentrum der Opiumproduktion und des Handels in Südostasien war. Das thailändische Militär versucht deshalb mit vielen Patrouillengängen und Straßenkontrollen den Opiumhandel so gut es geht einzudämmen. Das spürten auch wir auf unserer Fahrt in der Nähe der thailändisch-burmesischen Grenze. Aber wir fühlten uns die ganze Zeit sehr sicher. Im Gegenteil, die Soldaten waren sehr freundlich und halfen uns oft, den richtigen Weg zu unseren Zielen zu finden.

Königliches Entwicklungsprojekt für Bergvölker

Um das Problem des Opiumhandels zu lösen, startete der König von Thailand, seine Majestät Bhumibol Adulyadej (Rama IX) das Königliche Entwicklungsprojekt für Bergvölker. Dieses Projekt zielt darauf ab, den Bergstämmen moderne landwirtschaftliche und umweltfreundliche Techniken beizubringen, um ihr Leben zu verbessern und die Abhängigkeit vom Opiumanbau zu verringern.

Heute gibt es Projekte in ganz Nord-Thailand, wo alle Arten von Obst, Gemüse und Blumen angebaut werden, die in überall in Thailand verkauft werden. Inzwischen bildet der Tourismus eine wichtige Einnahmequelle für die Bergvölker, vor allem für die Padaung. Jedoch ist nicht transparent, welcher Anteil der Einnahmen in den Dörfern wirklich der Dorfbevölkerung zu Gute kommt oder den Strukturen, die hinter den Dorfgemeinschaften stehen.

Karen

Die Karen stellen mit 300.000 Menschen die zahlreichste Gruppe der Bergvölker. Sie leben vor allem in den nördlichen Provinzen in Bambus- oder Teakholzhäusern, die auf Stelzen stehen. Sie arbeiten meistens in der Landwirtschaft und halten Tiere wie Schweine und Hühner. Die meisten Karen hängen immer noch dem Animismus an, obwohl viele von ihnen zum Buddhismus oder Christentum konvertierten.

Karen-Frauen sind bekannt für ihre Web-Fähigkeiten, sie produzieren bunte handgefertigte Kleidung. Die Karen stellen auch einige der feinsten handgefertigten Silberprodukte her, die mehr als 99% reines Silber enthalten. Verheiratete Frauen tragen sehr bunte Kleider, meistens rot und blau, während unverheiratete Frauen einfaches Weiß tragen.

Padaung – Die Langhalsfrauen

Die Padaung sind eine Untergruppe der Karen und stammen aus dem benachbarten Myanmar. Sie sind bekannt für die vielen Messing-Ringe, die die Frauen um den Hals tragen. Im sehr jungen Alter von etwa fünf Jahren legen die Mädchen die ersten Ringe um den Hals. Im Laufe der Jahre werden es mehr und mehr Ringe, was den Frauen das Aussehen eines „Giraffenhalses“ gibt. Nach einigen Jahren bilden sich die Hals- und Nackenmuskeln so weit zurück, dass das Abnehmen der Ringe lebensgefährlich werden kann.

Padaung-Frauen tragen diese Ringe auch an ihren Unterarmen und Knöcheln. Unverheiratete Padaung-Mädchen tragen in der Regel lange weiße Kleider. Traditionell sind sie Landwirte; heutzutage leben die Padaung vom Tourismus und Verkauf aller Arten von Souvenirs und Handwerksprodukte.

Hmong (Meo)

Die Hmong („freie Menschen“) werden von den Thais häufig Meo (aus dem Chinesischen „Barbaren“) genannt. Es wird angenommen, dass sie vor tausenden von Jahren aus Tibet über Sibirien und die Mongolei nach China einwanderten. Der größte Teil lebt auch heute noch in Süd-China, aber auch in Vietnam, Laos und Myanmar. Ende des 19. Jahrhunderts gründeten sie erste Siedlungen in Thailand. Heute sind sie mit rund 118.000 Menschen nach den Karen die zweitgrößte Gruppe der Bergvölker.

Nach der Kleidung der Frauen unterscheidet man die Weißen und die Blauen Hmong. Mit Indigo-Farbe gebatikte kurze Plissee-Röcke, reich mit Kreuzstichen bestickt, kennzeichnen die Frauen der Blauen Hmong. Oben tragen sie oftmals schwarze, bestickte Samtblusen und haben das Haar in einem großen Zopf hoch gebunden.

Hmong-Familie am Doi Suthep oberhalb von Chiang Mai
Hmong-Familie am Doi Suthep oberhalb von Chiang Mai

Die Frauen der Weißen Hmong tragen einen blau-schwarzen Turban, dunkle Hosen und einen schmale, bestickte Schürze in leuchtenden Farben.

Lisu

Die Lisu stammen aus Tibet und sind vor etwa 80 Jahren nach Thailand gekommen. Es gibt verschiedene Gruppen von Lisu; die bekanntesten von ihnen sind die „Blumen-Lisu“, benannt nach der Kleidung der Lisu-Frauen. Sie leben in sehr einfachen Häusern mit Bambuswänden und ohne Holz- oder Betonboden, meist in der Nähe eines Flusses.

Die Lisu sind vor allem in der Landwirtschaft tätig, in der Vergangenheit häufig im Mohnanbau. Erst seit kurzem verdienen sie ihren Lebensunterhalt mit dem Tourismus. Ebenso wie die Karen sind die meisten Lisu Animisten, obwohl viele von ihnen zum Buddhismus oder Christentum konvertierten.

Palong

Die kleinste Gruppe der thailändischen Bergvölker sind die aus Myanmar stammenden Palong, die sämtlich in der Provinz Chiang Mai leben, nahe der Grenze zu Myanmar. Sie bauen hauptsächlich Tee, Chilischoten und Zuckerrohr an.

Palong-Frauen tragen sehr unverwechselbare Kleidung: meist ein langes rotes Kleid, oft eine blaue oder rosa Jacke mit großen silbernen Taillenbändern und mehreren silbernen Ornamenten. Ein weiteres auffälliges Merkmal sind ihre goldfarbenen Zähne.

Akha

Es gibt etwa 80.000 Akha in Thailand, die in den Bergen der Provinzen Chiang Mai und Chiang Rai leben.

Sie wohnen in Bambushäusern auf Stelzen mit getrennten Gebäuden für Männer und Frauen. Ein Akha-Dorf hat ein wunderschön geschnitztes Holztor, von dem die Akha glauben, dass dort Wächter-Geister wohnen. Das wichtigste Merkmal der Akha-Damenbekleidung ist die schwarze Mütze, die mit vielen Silbermünzen besetzt ist.

Frau des Bergvolkes der Akha
Frau des Bergvolkes der Akha

Ahnenverehrung und Familiengeschichte spielen eine wichtige Rolle in der Akha-Kultur. Es heißt, dass jeder Akha seine Vorfahren für bis zu 15 Generationen zurückverfolgen kann. Traditionell sind sie in der Landwirtschaft tätig, aber heutzutage produzieren und verkaufen die Akha alle Arten von handgefertigten Produkten wie Westen, Handtaschen, Geldbörsen und andere Gegenstände und verdienen ihren Lebensunterhalt mit dem Tourismus.

Lahu

Eine ziemlich große Anzahl von Lahu lebt in den Provinzen Chiang Mai und Chiang Rai. Die Lahu bestehen aus mehreren verschiedenen Gruppen, deren Bezeichnung sich aus der traditionellen Farbe ihrer Kleidung ableitet, zum Beispiel rote, schwarze und gelbe Lahu.

Jede Gruppe hat ihren eigenen Dialekt. In erster Linie in der Landwirtschaft tätig, sind die Lahu für ihre Jagd- und Webfähigkeiten bekannt. Ihre Holzhäuser sind auf Stelzen gebaut. Ein Pole mit mehreren Fahnen markiert das Haus des Dorfes spirituellen Führer. Die meisten Lahu sind weiterhin dem Animismus treu, obwohl viele von ihnen zum Buddhismus oder Christentum konvertierten.