Shinagawa und die Geschichte der 47 Samurai

In Shinagawa hält der Shinkansen und der Bahnhof ist neu und modern. Mehr als 6.000 Hotelzimmer rund um die Station stellen die höchste Hotelkonzentration Tokios dar. Sony hat in der Nähe seinen Hauptsitz. Aber das sind nicht die Gründe, weswegen ich Shinagawa aufsuchte.

Der Tokaido

Ich war eher den alten Zeugen aus der Edo-Zeit auf der Spur. Shinagawa war in dieser Zeit erste Raststation auf dem Weg von Edo nach Kyoto. Der Tokaido („östlicher Seeweg“) war während des Tokugawa-Shogunats eine der wichtigsten Post- und Handelsstraßen zwischen dem Regierungssitz Edo und der kaiserlichen Hauptstadt Kyoto. Auf einer Länge von 488 Kilometern wurden insgesamt 53 Stationen eingerichtet, um die sich im Laufe der Zeit Gasthäuser, Post- und Zollstationen ansiedelten.

Leider fand ich keine Spuren mehr in Shinagawa. Entweder sind diese mittlerweile neueren Gebäuden bzw. Straßen zum Opfer gefallen oder meine Reiseliteratur hat mich auf die falsche Fährte gelockt.

Sengaku-ji Tempel und die 47 Samurai

Sei’s drum. Ein weiteres Ziel aus dieser Zeit habe ich dann doch noch gefunden, den Sengakuji Tempel. Dieser ist ein Soto-Zen-Tempel, dessen Name eng mit der Geschichte der 47 Ronin verknüpft ist. Errichtet wurde er 1612 auf Anweisung Tokugawa Ieyasus in der Nähe der Shogun-Residenz in Sotosakurada. Nachdem der Tempel 1641 abbrannte, wurde er von fünf Daimyos an der heutigen Stelle wieder aufgebaut.

Aber nun zur Geschichte der 47 Samurai. Davon handelt die vielleicht berühmteste Geschichte der Rache in der japanischen Geschichte, die zwischen 1701-1703 stattfand.

Asano Takuminokami, Feudalherr von Ako, wurde vom Shogunat ernannt, um die kaiserlichen Gesandten aus Kyoto zu unterhalten, die Edo besuchten. Er sollte von seinem offiziellen Berater, Kira Kozukenosuke, Anweisungen erhalten. Aber Kira mochte Asano nicht und behandelte ihn mit Bösartigkeit und beschmutzte seine Ehre als Samurai.

Als Asano die Beleidigung nicht länger auf sich sitzen lassen konnte, zog er sein Schwert in der Burg von Edo. Er schaffte es, Kira an der Stirn und Schulter zu verletzten, aber töten konnte er ihn nicht. Damals war es streng verboten, das Schwert in der Edo-Burg zu ziehen und Asano wurde sofort verhaftet. Es gab ein Gesetz, das als „gleiche Strafe für Streitigkeiten“ bezeichnet wurde, die beide Samurais, die an einem Kampf beteiligt waren, bestraften, so dass Asano und Kira erwarteten bestraft zu werden. Doch während Kira keine Strafe erhielt, wurde Asano am selben Tag ohne ordnungsgemäße Untersuchung zum Seppuku (rituellen Selbstmord) in einem Garten eines anderen Herrscherhauses verurteilt. Seppuku in einem Garten war für einen Schwerverbrecher gedacht und unangemessen für jemanden von Asanos Stand. Zusätzlich wurde der Asano-Besitz beschlagnahmt und seine Familie von der Lordschaft abgesetzt.

Die loyalen Gefolgsmänner des Herrn von Ako, besser bekannt als Ako Gishi, waren empört über dieses Urteil und plädierten für eine Korrektur des Urteils und die Wiederherstellung des Hauses Asano. Aber ihre Anträge wurden abgelehnt.

Fast zwei Jahre nach dem verhängnisvollen Vorfall versammelten sich 47 Samurais von Ako unter dem ehemaligen Hauptgefolgsmann Oishi Kuranosuke, um den Tod ihres Herrn und das vom Shogunat verhängte Unrecht zu rächen. Am 14. Dezember 1702 attackierten und töteten sie Kira in seiner Residenz. Dann marschierten sie nach Sengakuji, um Kira’s Kopf an Asanos Grab zu überreichen und berichteten ihrem verstorbenen Herrn die Vollendung. Die Gishi wandten sich sofort dem Shogunat zu und wurden am 4. Februar des darauffolgenden Jahres ebenfalls zum Selbstmord verurteilt. Ihre Gräber befinden sich wie die ihres Herrn ebenfalls auf dem Gelände des Sengaku-ji Tempels.

Im Sengakuji-Tempel, dem Tempel der 47 Samurai
Im Sengakuji-Tempel, dem Tempel der 47 Samurai

Die Rache der Ako Gishi wurde in verschiedenen Theaterstücken umgesetzt und wird heute allgemein als „Chu-shin-gura“ (Die Geschichte der treuen Gefolgsleute) bezeichnet. Es ist eine beliebte Geschichte und eine, die auch noch nach 300 Jahren das japanische Herz berührt. Die Ritterlichkeit der treuen Halter und die Themen Gerechtigkeit (義, „Gi“) und Loyalität (忠, „Chu“) werden von den Japanern immer noch hoch geschätzt.

Zum Thema gibt es auch mehrere Spielfilme. Im Jahr 2013 erschien „47 Ronin“ mit Keanu Reeves in einer der Hauptrollen.

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