Stadtbummel in Heide und Büsum

Heide

Für heute ist Regen bei 16 Grad und Windstärke 8 bis 9 vorhergesagt. Richtiges Schietwetter also, bei dem man sich am besten in Geschäfte zu einem Stadtbummel verzieht. Uns zieht es daher heute zunächst nach Heide. Heide ist mit rund 22.000 Einwohnern die Kreisstadt des Kreis Dithmarschen und damit – neben Husum und Büsum – eine der nächstgelegenen größeren Städte, wo sich ein Stadtbummel auch lohnt. Einen Parkplatz finden wir auf dem Marktplatz direkt in der Innenstadt.

Marktplatz

Der Marktplatz von Heide ist der größte unbebaute Marktplatz Deutschlands (4,7 ha). Hier findet seit über 500 Jahren der traditionelle Wochenmarkt statt. Er ist ehemaliger Tagungsort der Landesversammlung der freien und unabhängigen Bauernrepublik Dithmarschen (1447–1559). 48 Regenten tagten jeden Sonnabend, schufen Gesetze, sprachen Recht, erhoben Strafen, empfingen oder schickten Gesandtschaften.

Sankt-Jürgen-Kirche

St. Jürgen-Kirche am Marktplatz in Heide
St. Jürgen-Kirche am Marktplatz in Heide

Auf der Südwest-Ecke des Marktplatzes steht die lichtdurchflutete Sankt-Jürgen-Kirche. Sie wurde auf den Grundmauern des 1559 bei einem Brand vollständig zerstörten Vorgängerbaus errichtet. 1694–1696 wurde das Gebäude erweitert und im gleichen Jahrhundert an der Nordseite eine Empore eingezogen, an der in bildhaften Darstellungen Szenen aus der Bibel gezeigt werden. Mehrfach wurde die Kirche vergrößert und umgestaltet. Außerhalb der Kirche an der Südseite befindet sich ein Sühnestein der in Bild und Wort von einem im Jahre 1567 erfolgten Totschlag berichtet.

St.-Georg-Brunnen

Der 1989 erbaute Brunnen steht auch auf dem Südermarkt direkt gegenüber der St.-Jürgen-Kirche. Der Heilige Georg, als Heides Wappenfigur und Schutzpatron, thront auf dem bronzenen Brunnen am Südermarkt. Acht Relieftafeln am Brunnen erzählen Geschichten und Legenden von Heide und Dithmarschen.

St. Georg-Brunnen am Marktplatz in Heide
St. Georg-Brunnen am Marktplatz in Heide

Hohnbeer-Statue

Hohnbeer nennen die Heider ihr jährlich stattfindendes Fest am Ende des Winters. Die drei sogenannten Eggen (Ortsteile von Heide) feiern den Gemeinschaft- und Familiensinn und die plattdeutsche Muttersprache. Die Festlichkeiten ziehen sich über mehrere Wochen hin und enden an drei Samstagen. Während die Eggen selbst bis ins Mittelalter zurückgehen, existiert Hohnbeer seit der Mitte des 19. Jahrhunderts. Die Hohnbeer-Statue am Ende der Süderstraße zeugt von dieser Tradition.

Die Hohnbeer-Statue in Heide
Die Hohnbeer-Statue in Heide

Ein sehr gutes und zudem preiswertes Mittagessen bekommen wir im Asia Imbiss Hao-Nhi in der Süderstraße 9. Das Essen wird frisch zubereitet und schmeckt sehr authentisch. Nach dem Essen entscheiden wir bei immer noch durchwachsenem Schietwetter noch nach Büsum zu fahren, wobei wir einen kurzen Zwischenstopp in Wöhrden einlegen. Hier wollte ich eigentlich auf der letzten Etappe meiner Deutschlandtour anhalten, entschied ich aber auf Grund nachlassender Kräfte dagegen. Nun wollte ich gern sehen, ob ich tatsächlich etwas verpasst habe.

Wöhrden

Die in der nördlichen Marsch gelegene Stadt war einst Hafenstadt und galt zeitweise als Herz Dithmarschens.

St. Nicolai-Kirche im historischen Ortskern in Wöhrden
St. Nicolai-Kirche im historischen Ortskern in Wöhrden

Insbesondere die von 1319 bis 1786 bestehende St.-Nicolai-Kirche galt, neben dem Meldorfer Dom, als herrlichste des Landes. Seit dem 16. Jahrhundert setzte ein schleichender Bedeutungsverlust ein, der Wöhrden auf den Status einer abgelegenen Landgemeinde reduzierte.

Historischer Ortskern in Wöhrden
Historischer Ortskern in Wöhrden

Im Rückblick war meine Entscheidung richtig, in Wöhrden nicht anzuhalten. Deshalb verschwenden wir auch keine weitere Zeit und fahren direkt und ohne Umwege nach Büsum.

Büsum

Büsum ist ein Hafenort direkt an der Nordsee und seit dem 19. Jahrhundert Seebad. Nach Übernachtungszahlen ist Büsum hinter Sankt Peter-Ording und Westerland der drittgrößte Fremdenverkehrsort an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste.

Hafen

Ursprünglich eine Insel mit mehreren Dörfern, ist Büsum seit 1585 mit dem Festland verbunden. Vor allem der Ausflugs- und Fischereihafen prägt das Ortsbild; die dort angelandeten Büsumer Krabben sind auch überregional bekannt. Auch wenn es aktuell Versorgungsengpässe gibt, die aber nicht hauptsächlich auf die geringen Bestände, sondern vielmehr auf corona-bedingte Ausfälle bei den Verarbeitungskapazitäten in Marokko zurückzuführen sind.

Im Fischereihafen von Büsum
Im Fischereihafen von Büsum

Im Durchschnitt werden in Deutschland rund 12.000 Tonnen Nordseegarnelen pro Jahr gefangen und nach Angaben der Landwirtschaftskammer Niedersachsen mehr als 90 Prozent davon zum Pulen nach Marokko und in geringem Umfang nach Polen transportiert. Also 3.000 Kilometer hin und wieder zurück, damit sie zu einem deutlich niedrigeren Preis überwiegend von Frauen in Marokko gepult werden. Aus Angst, sich mit Corona zu infizieren bleiben aber viele Arbeiterinnen derzeit ganz zu Hause und die anderen sitzen weiter auseinander. So können derzeit in Marokko höchstens noch 20 Prozent der früheren Mengen verarbeitet werden.

Im Fischereihafen von Büsum
Im Fischereihafen von Büsum

Und solange es noch keine marktreifen Maschinen zum Schälen der kleinen, leckeren Schalentiere gibt, wird aus wirtschaftlichen Gründen das Pulen in Niedriglohnländern erledigt werden. Denn von einem Kilo Nordseekrabben verbleibt nach dem Schälen etwas mehr als 300 Gramm Krabbenfleisch, während die Ausbeute von Maschinen derzeit nur bei rund 250 Gramm Krabbenfleisch liegt. Aber es gibt Hoffnung, wie die Nordwest-Zeitung in diesem Artikel berichtet.

Wir kaufen daher frische, ungeschälte Krabben direkt vom Kutter für 7 Euro den Liter (entspricht ungefähr 500 Gramm) und pulen selbst. Ist zwar mühsam, aber immer ein Erlebnis wert. Aber wirklich nur eins 😉

Rathaus

Das neobarocke Rathaus von Büsum
Das neobarocke Rathaus von Büsum

Das denkmalgeschützte Rathaus von Büsum wurde 1914/15 im neobarocken Stil erbaut.

Im Café Allwöhrden gönnen wir uns eine Pause mit koffeinhaltigen Heißgetränken und Gebäck zum Aufwärmen. Dabei schauen wir dem bunten Treiben in der Fußgängerzone und dem Regen zu. Während einer kurzen Regenpause versuchen wir trockenen Fußes zum Auto zurück zu gelangen. Dabei kommen wir nicht nur am Rathaus , sondern auch an der St.-Clemens-Kirche vorbei.

St.-Clemens-Kirche

St. Clemens-Kirche hinter dem Rathaus in Büsum
St. Clemens-Kirche hinter dem Rathaus in Büsum

Direkt dahinter befindet sich die evangelisch-lutherische St.-Clemens-Kirche aus dem 15. Jahrhundert mit einer tollen Innenausstattung.

Das Restaurant
Das Restaurant „Alte Post“ in Büsum

Auf der Ecke gegenüber der St.-Clemens-Kirche steht das traditionsreiche 4-Sterne-Hotel und Restaurant „Zur alten Post“, das bereits in vierter Generation Büsumer Klassiker und gleichzeitig moderne Ideen bietet. Kurze Zeit später erreichen wir unser Auto und beschließen unseren Stadtbummel mit einem letzten Einkauf bei Beckmann Fischspezialitäten.

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