Sumoturnier in Tokio – Ich war dabei!

Das letzte Highlight meines Aufenthalts in Japan stand heute auf dem Programm. Ich besuchte ein Sumoturnier in Tokio. Das Turnier ist das erste von sechs großen (basho) in diesem Jahr in Japan. Es begann bereits am Sonntag und geht bis zum 22. Januar, also insgesamt zwei Wochen.

Geschichte des Sumo

Laut einer Legende rangen einst Götter um den Besitz der japanischen Inseln. Abgesehen von dieser Legende existiert Sumo bereits seit mehr als 1.500 Jahren. Seine Ursprünge sind religiöser Natur. Die ersten Sumokämpfe waren ein den Göttern gewidmetes Ritual für eine reiche Ernte und wurden zusammen mit Tanzdarbietungen und Schauspielen in den Tempelbezirken aufgeführt.

In der Heian-Zeit fanden erste regelmäßige Sumozeremonien am kaiserlichen Hof statt. Anfänglich war Sumo eine wirre Angelegenheit mit Elementen aus dem Boxen und Ringen. Aber unter der Schirmherrschaft des Kaiserhofs entwickelten sich Regeln und Techniken, die dem heutigen Sumo schon sehr ähnelten.

In der kriegerischen Kamakura-Zeit verkam Sumo zum militärischen Kampftraining. Sumo wurde in dieser Zeit aber auch in der Bevölkerung populär, da die Daimyos (Fürsten) begannen, sumotori (Sumokämpfer) zu sponsern, um die wachsende Bevölkerung zu unterhalten. So kam Sumo auch zu seiner Rolle als japanischer Nationalsport.

Oda Nobunaga hielt im Februar 1578 ein Sumoturnier mit 1.500 Ringern ab. Damit die Kämpfer sich nicht gegenseitig behinderten, wurden kreisförmige Kampfplätze abgegrenzt – der Sumoring war erfunden und entwickelte sich bis zum 18. Jahrhundert zur heutigen Form.

Ablauf eines Turniers

Die unteren Divisionen beginnen ihre Kämpfe am Morgen und Vormittag eines Kampftages. Erst am Nachmittag treten die Kämpfer der obersten japanischen Liga an. In seidenen Keshō-mawashi betreten die Sumotori den Ring zum Dohyō-iri, dem gemeinsamen zeremoniellen Auftritt vor den Kämpfen. Der oder die Yokozuna (höchster Rang eines Sumokämpfers) halten darauf noch ihre eigene Zeremonie ab. Danach finden die ersten Begegnungen statt. Auch hier kämpfen die rangniedrigsten Ringer zuerst. Während eines Turniers finden über hundert Kämpfe statt.

Ziel des japanischen Ringkampf ist es, den Gegner aus einem mit Sand bedeckten, mit einem Strohseil abgesteckten Kreis zu befördern oder aus dem Gleichgewicht zu bringen, dass er den Boden mit einem anderen Körperteil als den Fußsohlen berührt. Der einzelne Kampf dauert meist nur wenige Sekunden.

Meine Eindrücke vom Sumoturnier

Bereits beim Abholen der Tickets am frühen Morgen, so kurz nach acht Uhr, höre ich schon von weitem rhythmisches, lautes Trommeln. Da sitzen doch tatsächlich zwei Männeken auf einem schätzungsweise 15 Meter hohen Turm und trommeln, was das Zeug hält.

Der Yobidashi ruft die Zuschauer mit Trommelschlägen zum Sumoturnier
Der Yobidashi ruft die Zuschauer mit Trommelschlägen zum Sumoturnier

Das zuvor im Internet bestellte Ticket kann ich – wie nicht anders erwartet – an einem Automaten abholen. Einfach Kreditkarte, mit der das Ticket bezahlt wurde, durchziehen und simsalabim wird das Ticket gedruckt. Zusammen mit einer Wegbeschreibung zum reservierten Sitzplatz.

Ankunft an der Halle

Gegen 14 Uhr treffe ich an der Halle ein. Ein Sumokämpfer kommt mir entgegen. Dieser scheint seine Kämpfe bereits hinter sich zu haben.

Dieser Sumotori hat seinen Turniertag bereits hinter sich
Dieser Sumotori hat seinen Turniertag bereits hinter sich

Frenetisch jubelnde Fans, die vermutlich schon seit Stunden darauf warten, begrüßen diesen nett aussehenden Sumokämpfer, als er aus dem Auto steigt und in Richtung Halle marschiert.

Während dieser Kämpfer bei der Ankunft vor der Kampfarena frenetisch von seinen Anhängern bejubelt wird
Während dieser Kämpfer bei der Ankunft vor der Kampfarena frenetisch von seinen Anhängern bejubelt wird

Begeisterte Japaner stehen mehrreihig Schlange an der Zufahrt, um die Ankunft der von ihnen verehrten Kämpfer frenetisch zu bejubeln.

Einmarsch der Sumoringer

Die Sumoringer der zweithöchsten Klasse marschieren ein
Die Sumoringer der zweithöchsten Klasse marschieren ein

14:15 Uhr marschieren die Sumokämpfer der zweithöchsten Liga in den Kampfring ein. Der Ringsprecher stellt zunächst die Ringer der West-, dann die der Ostliga unter großem Beifall vor. Die Kämpfer der beiden Ligen treten jeweils gegeneinander an. Zuvor wird noch der Sand im Ring leicht gewässert und mit Reisbesen ordentlich gefegt.

Vor dem Betreten des Rings nehmen die beiden Kämpfer einen Schluck Wasser aus einem hölzernen Schöpflöffel und streuen Salz in den Ring. Nach mehrfachen Anläufen beginnt der Kampf. Und er ist noch schneller vorbei, als ich diese Zeilen schreiben kann. Nach zwei, drei Aktionen hat der gewichtigere den etwas schmaleren Sumotori aus dem Ring gedrängt. Sehr oft im Laufe des Abends dauert der eigentliche Kampf kürzer als das ritualisierte Betreten und Aufstellen im Ring.

Mit vorwärts stoßenden Griffen an den Hals oder den Mawashi (traditioneller Gürtel) versuchen sich die Sumotori aus dem Ring zu stoßen. Ich wollte nicht in der Nähe der Kämpfer stehen, wenn zwei mal 200 Hundert Kilogramm (oder noch mehr) Körpermasse mit voller Wucht aufeinander prallen. Das ist schon beeindruckend, wie beweglich die Sumoringer trotz ihres Gewichtes sind und mit welch brachialer Kraft sie aufeinander zu stürmen.

Ist nach Ende eines Kampfes nicht eindeutig, wer zuerst entweder den Ring verlassen oder den Boden mit einem anderen Körperteil als den Fußsohlen den Boden berührt hat, treten fünf Ringrichter sowie der Schiedsrichter zusammen und beraten.

Während der Kämpfe herrscht ein reges Kommen und Gehen in der Halle. Die Zuschauer bringen sich entweder Bentoboxen und Getränke mit an die Sitzplätze oder gehen an einem der Imbissstände in der Halle etwas essen und trinken. Es ist ein entspannte Atmosphäre, die immer wieder von Anfeuerungsrufen und Applaus unterbrochen wird.

Einmarsch der Topkämpfer

Nach 14 Kämpfen der zweithöchsten Kategorie fegen fleißige Helfer erneut den Ring während einer kurzen Pause für die bevorstehenden Kämpfer der höchsten Klasse. Gegen 15:40 Uhr marschieren die Maegashira und Yokozunas (höchster Titel) in die Arena.

Die Kämpfer der höchsten Liga betreten die Arena
Die Kämpfer der höchsten Liga betreten die Arena

Der letzte Kampf des Turniertages wird angekündigt. 20 Kämpfe in der höchsten Klasse liegen bereits hinter mir und den anderen Zuschauern. Nun betreten zwei schwergewichtige Yokozunas den Ring. Es heißt Hakuho gegen Mitakeumi. Beide sind im bisherigen Turnierverlauf noch ungeschlagen. Allein das Verlesen ihrer bisher erreichten Titel dauert fast zwei Minuten. Danach geht alles ganz schnell. Einer gewinnt. Wer kann ich leider nicht sagen, da mir die Gesichter (noch) nicht vertraut sind. Aber einer der beiden hat weiterhin eine reine Siegerweste. Während der andere ziemlich bedröppelt dreinschaut. Den Kampf könnt ihr euch gern auf meinem YouTube Kanal anschauen.

Anschließend endet der vierte Tag des Sumoturnier mit einem Yumitori-shiki (Bogentanz). Ein Sumoringer wirbelt einen japanischen Bogen nach jahrhundertealter Tradition, um ihn danach dem Champion des Tages zu überreichen. Kurz nach 18 Uhr ist alles vorbei. Das war ein gelungener Abschluss meines zweimonatigen Japanaufenthalts.

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