Typisch Japan?! – Teil 2

Vor einigen Wochen hatte ich bereits einen Artikel über Dinge, die in Japan anders sind, veröffentlicht. Nach weiteren vier Wochen Erfahrung und Eindrücken möchte ich nun weitere Sachen ergänzen, die mir noch aufgefallen sind.

Baustellenabsperrungen ganz in weiß

Sichtschutzwände bei Baustellen sind in der Regel komplett in weiß gehalten. Grenzen diese an Straßenecken, werden die Ecken selbst mit durchsichtigen Absperrwänden versehen, vermutlich damit man kreuzende Fußgänger bzw. Fahrzeuge frühzeitig kommen sieht. Teilweise sind sogar eventuelle Schrauben, die zur Stabilisierung der Wände in dieselben geschraubt sind, weiß abgeklebt. Und auch die Ritze zwischen den Wänden und der Straße bzw. dem Fußweg wird dick mit Tape zugeklebt, damit auch ja kein Körnchen Staub die Baustelle ungenehmigt verlässt.

Das hat natürlich viele Vorteile. Die Straßen und Gehwege bleiben sauber ebenso wie die Luft und alle Fahrzeuge. Ich habe in den acht Wochen nicht ein einziges dreckiges Fahrzeug gesehen. Selbst Müll- und Baustellenfahrzeuge blinken wie frisch aus dem Autohaus.

Straßenverkehr

Das führt mich zu einem zugehörigen Thema: Straßenverkehr. Wie in anderen Nationen auch steht der Fußgänger ganz unten in der Verkehrskette. Danach kommen Radfahrer, dann motorisierte Zweiradfahrer und ganz oben stehen die Auto-, Bus- und LKW-Fahrer. Verkehrte Welt gibt es in Japan, was Tempolimits angeht. So reagiert jetzt die Polizei, indem sie die Höchstgeschwindigkeit auf der Autobahn von bisher erlaubten 100 auf nun 120 Kilometer pro Stunde raufsetzen möchte, um die gesetzlichen Regelungen der Realität anzupassen! In Deutschland eher undenkbar. Aber nachdem man jahrelang die Übertretungen toleriert hat, sieht man wohl keinen anderen Ausweg.

Überhaupt scheinen Tempolimits nur pro forma zu existieren. Denn Blitzer oder temporäre Radarkontrollen habe ich keine einzige gesehen. In der Stadt gilt generell Tempo 50, auf den Landstraßen zwischen 40 und 80 km/h. Jedoch fahren in der Stadt – wie in Deutschland zum überwiegenden Teil auch – alle schneller. Manche sogar mehr als doppelt so schnell, ohne das die Polizei einschreitet. Sie schreitet scheinbar auch nicht ein, wenn im Auto der Fernseher läuft. Und das habe ich nicht selten beobachtet.

Diebstahlgefahr gering

Vielleicht konzentriert sich die Polizei auch auf wichtigere Dinge wie Diebstahl oder andere kriminelle Taten. Denn anders kann ich mir nicht erklären, wieso Autofahrer ihre Fahrzeuge mit laufendem Motor in zweiter Reihe parken und in aller Ruhe in einem Imbiss etwas essen oder schnell im Conbini-Store einkaufen. Auch Fahrräder werden eher selten mit einem Schloss gesichert. Aber wenn du dein Fahrrad auf dem falschen Stellpplatz – insbesondere an Bürogebäuden – abstellst, bekommst du einen Strafzettel!

Männer tragen Handtaschen

Ja, genau. Was in den 90er Jahren auch in Deutschland mit den Handgelenktaschen mal in Mode war, ist hier gang und gäbe. Die Handtaschen der Männer sind dabei oft sogar größer als die der Frauen. Möchte gern mal wissen, was japanische Männer alles so in ihrer Tasche dabei haben? Eyeliner und Mascara wird es ja wohl hoffentlich nicht sein 😉

Macht mal langsam!

Das sind aber alles Dinge, die nicht stören oder einen beeinträchtigen. Was mich dagegen am meisten genervt hat, war der Stress und die Hektik, die Japaner verbreiten. Nun muss ich dazu sagen, dass ich ein höchstgradig ungeduldiger Mensch bin. Aber die Ungeduld der Japaner war sogar mir desweilen zu viel. Auf dem Weg zur Metro wird teilweise von Ampel zu Ampel gesprintet, um ja nicht eine Sekunde zu viel an einer roten Ampel stehen zu müssen. Dabei sind die Grünphasen in der Regel sogar recht lang und die Metro fährt auch alle fünf Minuten. Es gibt ja auch für mich keinen sichtbaren Grund für diese Eile. Da wird um jede Sekunde „gekämpft“, um sich dann in der Mittagspause bis zu zwei Stunden an einem Restaurant anzustellen und abends drei bis vier Überstunden anzuhäufen! Verrückte Welt.

Genau so verhält es sich mit der bereits im Artikel über Selbstmord beschriebenen Rücksichtnahme in der gesamten Gesellschaft. Der damit verbundene Druck schafft sich auch oft Luft bei Aussteigen aus einer übervollen Metro. Da wird geschupst und gedrängelt, dass man beinahe das Gleichgewicht verliert. Fast wie bei einer Massenpanik. So etwas kann ich ja gar nicht leiden. Vor allem, wenn sonst überall Rücksicht postuliert wird. Aber dazu passt auch, dass viele Japaner kein Blick für ihre Umgebung haben. So bleiben sie oft plötzlich stehen oder wechseln die Richtung, dass sie einem über die Füße laufen. Oder laufen mit dem Handy oder – noch schlimmer – Tablet vor dem Gesicht durch die Straßen und können dann natürlich nicht rechtzeitig reagieren, wenn Gegenverkehr kommt. Das ist echt nervig.

Da die allgemeine Rücksichtnahme auch bedeutet, das Smartphone oder Tablet auf lautlos zu stellen, haben 90% aller Gerätenutzer ständig Kopfhörer in den Ohren. Was natürlich dazu führt, dass sie im Straßenverkehr oder auch an Supermarktkassen nicht wirklich mitbekommen, was um sie herum passiert oder wenn sie angesprochen werden. Das ist schon sehr zweischneidig, diese „Rücksichtnahme“.

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