Weihnachten und Neujahr in Japan

Weihnachten und Neujahr verbrachte ich dieses Jahr in Japan. Wie genau es sich damit verhält, erfahrt ihr in diesem Beitrag. Denn es gibt deutliche Unterschiede zu Deutschland.

Weihnachten ist in Japan kein Feiertag

Da Japaner überwiegend dem Shintoismus oder dem Buddhismus angehören, hat Weihnachten keinerlei religiöse Bedeutung für die Mehrheit der Bevölkerung. Allerdings werden das Shoppingerlebnis und die vorweihnachtlichen Bräuche gerne „mitgenommen“. So sind die Innenstädte weihnachtlich geschmückt, die japanischen Gärten werden toll illuminiert und überall dudelt die Weihnachtsmusik in den Shoppingtempeln. Es gibt sogar Stollen und Weihnachtsdekoration aus dem Erzgebirge zu kaufen.

Auch Weihnachtsmärkte fehlen nicht. So gibt es im Hibiya Park und auch in Roppongi Hills jeweils einen kleinen Weihnachtsmarkt. Büdchen bieten hier Glühwein, Weizenbier, Weiß- und Bratwürste mit Brezeln an. Allerdings geht das meistens nicht, ohne sich für längere Zeit in eine Warteschlange einzureihen.

Sowohl Heiligabend als auch die beiden folgenden Weihnachtsfeiertage sind in Japan ganz gewöhnliche Arbeitstage. Die Geschäfte haben normal geöffnet und von andächtiger Stille ist weit und breit keine Spur. Deshalb vergeht Weihnachten wie im Flug, sodass man es fast nicht vermisst.

Bereits am 25. Dezember findet sich keine Spur mehr vom Weihnachtsschmuck. Der wird so schnell wieder abgebaut, als hätte es Weihnachten nicht gegeben.

Am Silvesterabend

Während an Silvester gefegt, gewischt und vorgekocht wird, ist Neujahr dagegen der wichtigste Feiertag des Jahres. Doch bereits vorher kommt das öffentliche Leben komplett zum Erliegen. Sogar Behörden und öffentliche Einrichtung wie Museen und Ministerien sind meist schon vom 28. Dezember bis mindestens 3. Januar geschlossen. Kleinere Geschäfte haben teilweise sogar die erste Januarwoche gänzlich geschlossen.

Feuerwerk, Raclette und Party? Gibt es in Tokio an Silvester nicht. Viele Japaner sitzen müde von den ganzen Vorbereitungen zu Hause und lauschen dem Kohaku, einem Musikprogramm des öffentlich-rechtlichen Fernsehens NHK. Das letzte Gericht des Jahres zu „Toshikoshi“ (wörtlich: Jahresübergang) muss eine Nudel sein, egal ob Soba oder Udon. So schlürfen die Familien ihre Nudeln. Mit 108 Glockenschlägen in jedem großen Tempel läutet das alte Jahr schließlich aus.

Mein Silvester

Ich war in der Silvesternacht im Senso-ji Tempel in Asakusa. Früh am Abend, gegen 22 Uhr machte ich mich bereits auf den Weg. Die Fahrt mit der Metro dauert zwar nur eine halbe Stunde, aber man weiß ja nie, wie viel los ist. Eigentlich dürfte es relativ ruhig sein, denn gefühlt Millionen Tokioter sind an den letzten Tagen des alten Jahres mit der Bahn zu ihren Familien oder in den Urlaub gefahren. Sollte also kaum noch einer in der Stadt sein.

Silvester im Sensoji Tempel in Asakusa, Tokio
Silvester im Sensoji Tempel in Asakusa, Tokio

Aber dann der Schock, die Polizei hat rund um den Schrein alle Straßen weiträumig abgesperrt, die Besucher werden in vorbereiteten Bahnen zum Tempel gelenkt. Gegen 22.30 Uhr am Anfang der Zufahrt zum Tempel angelangt, begrüßte ich das Neue Jahr mit Millionen anderen Japanern und Touristen auf der Hälfte der etwa 300 Meter langen Zufahrtsstraße zum Tempel. 0.30 Uhr schließlich betrat ich endlich den Tempel. Was für ein Erlebnis.

Neujahr

Das neue Jahr begrüßen die Japaner am Shinto-Schrein, entweder bereits nach Mitternacht – oder an den ersten Tagen des neuen Jahres. Bei Shinto-Schreinen werden traditionell Schreine aufgesucht, von denen es heißt, dass sie in einer glücksverheißenden Richtung zum Haus der Besucher liegen. Mit Spenden bedankt man sich bei den kami (Geistern/Göttern). Und es werden neue Talismane erworben. Oft habe ich Leute an den Feiertagen gesehen, die Pfeile (wie bei Pfeil und Bogen) mit kleinen hölzernen Täfelchen oder beschrifteten Zetteln dabei hatten. Darauf stehen die persönlichen Gebete bzw. Wünsche, für deren Erfüllung man im Schrein der Tempel betet. Hatsumode heißt der erste Schreinbesuch des Jahres.

Der Neujahrstag gehört der Familie, sie trifft sich zu einem ritualisierten Festessen, dem Osechi. Die komplizierten Gerichte, die dabei serviert werden, sind alle vorgekocht, sie kommen kalt auf den Tisch. Am höchsten Feiertag des Jahres soll niemand in der Küche stehen müssen. So gleicht Neujahr am ehesten unserem Weihnachtsfest, dass man meistens im Kreis der Familie oder mit Freunden verbringt.

Die Kinder erhalten zu Neujahr oft Geldgeschenke. 10.000 Yen (= 85 Euro) sind dabei nicht unüblich. Dieses können sie dann auch gleich an den ersten Tagen während des Hatsuri in eine so genannte Wundertüte investieren. Allerorten beginnt eine Art Winterschlussverkauf mit dem Verkauf solcher Überraschungstüten im Wert von 30 bis 100 Euro. Die enthaltenen Artikel hätten im regulären Verkauf bis zu 50 % mehr gekostet. Lautstark mit Flüstertüten werben vor den Geschäften die Verkäufer zum Erwerb einer solchen Tüte.

Süßigkeiten zu Neujahr
Süßigkeiten zu Neujahr

Daneben ist es durchaus üblich, dass Kollegen am ersten Arbeitstag des neuen Jahres auch kleine Naschereien mitbringen. Auch dafür bietet der Handel reichlich Auswahl an ästhetisch fantastisch aussehenden Pralinen oder Gebäckmischungen.

Eine meiner japanischen Kolleginnen brachte jedem von uns ein handsigniertes kleines Geschenk mit:

Neujahrsgeschenk meiner japanischen Kollegin
Neujahrsgeschenk meiner japanischen Kollegin

Shishi-mai – Der Löwentanz

Am 4. Januar konnte ich auf dem Weg zum Mittagessen mitten im Büroviertel Marunouchi im Herzen Tokios Shishi-mai, den Löwentanz verfolgen. Ein maskierter Löwe rast durch die Straße, wird aber immer wieder von einem Löwenbändiger zum Stehenbleiben gezwungen. Der Zug wird von Trommeln und schrillen Flöten begleitet. Ein kurzes Video davon findet ihr auch in meinem YouTube Kanal.

Shishi-mai - Der Löwentanz
Shishi-mai – Der Löwentanz

Ein Tänzer trägt einen gewaltigen aus Holz geschnitzten Löwenkopf. Aus den Nasenlöchern wachsen zottelige Haare, die von Sake triefen, der von Zeit zu Zeit als Gabe in das aufgerissene Maul des Shishi geschüttet wird. Immer wieder schlagen die Kinnladen mit einem furchterregenden Knall direkt über den Köpfen der umstehenden Menschen zusammen.

Der Löwe bringt Schutz und Segen.

Neujahrsdekoration

Für Neujahr schmückt man natürlich neu. In der Regel stellen Firmen Gestecke (kadomatsu) aus drei schräg abgeschnittenen Bambusrohren, die von Pinienzweigen eingerahmt werden, links und rechts neben dem Firmeneingang auf. Kleinere Geschäfte haben meist auch kleineren Schmuck, der nicht vor dem Ladeneingang steht, sondern an der Tür festgemacht ist. Dabei handelt es sich um shime-kazari, eine Dekoration aus Reisstroh. Allerdings sollte die Dekoration bis spätestens 28. Dezember aufgestellt sein, damit die glücksbringenden kami auch den richtigen Weg finden.

Typischer Neujahrsschmuck in Japan
Typischer Neujahrsschmuck in Japan

Neben der Dekoration ist es auch üblich, kleine Geschenke ins Büro mitzubringen. Meistens handelt es sich um Süßigkeiten oder andere Leckereien. Oft begrüßt man das neue Jahr im Büro auch mit einem Schluck Sake.

Shime-kazari, Dekoration aus Reisstroh für Neujahr
Shime-kazari, Dekoration aus Reisstroh für Neujahr

Heute ist auch schon der letzte Tag, an dem die Dekoration noch ihren Zweck erfüllt. In der ganzen Stadt fuhren heute Leute rum, die die Gestecke einsammelten.

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